Das Propaganda System
Briefe aus Lexington - Lies of Our Times, Mai 1992
Lieber LOOT,
bisher hat sich Medienkritik im allgemeinen darauf konzentriert, wie die Selektion von Nachrichten und Meinungen die richtige Art zu Denken sicherstellt. Ein weiteres spannendes Element des Systems der dogmatischen Kontrolle sind Buchrezensionen. Im besonderen fungiert die New York-Times Buch-Rezension als ein Leitfaden für Leser und Bibliothekare mit beschränkten Ressourcen. Die Redakteure müssen nicht nur die richtigen Bücher, sondern auch die richtigen Rezensenten wählen, die an den Normen der "political correctness" festhalten. Was folgt sind einige Fallbeispiele aufeinanderfolgender Wochen.
Bei der Studie eines Systems ist es oft nützlich sich etwas radikal anderes anzusehen, um die entscheidenden Merkmale hervorzuheben. Beginnen wir also damit eine Gesellschaft zu betrachten, die der uns entgegengesetzten Richtung sehr nahe kommt: Breschnews UdSSR.
Berücksichtigen Sie die Ausgestaltung der Politik. In Breschnews UdSSR wurden die Wirtschaftspolitik im geheimen von einer zentralisierten Macht bestimmt. Plebeszitäre Einflüsse waren gleich Null und wenn überhaupt vorhanden dann höchstens marginal durch die Kommunistische Partei. Die Politik wurde von den gleichen Personen gestaltet. Das politische System war sinnlos, da es praktisch keinen Fluss von Unten nach Oben gab.
Berücksichtigen Sie weiter das Informationssystem, welches unvermeidlich durch die Verteilung wirtschaftlich-politischer Macht beeinflusst wurde. In Breschnews UdSSR gab es ein Spektrum, welches die Zerwürfnisse innerhalb der zentralisierten Macht abgegrenzte. Natürlich waren die Medien den Kommissaren niemals gehorsam genug. Also wurden sie wegen der Unterminierung des öffentlichen Kampfgeistes während des Krieges in Afghanistan scharf dafür verurteilt, den imperialistischen Aggressoren und ihren lokalen Agenten in die Hände zu spielen, gegen die die UdSSR die Menschen von Afghanistan mutig verteidigte (vergleiche E.S. Herman und N. Chomsky, Manufacturing Consent, 226 f.). Für den totalitären Geist ist kein Grad von Unterwürfigkeit jemals genügend.
Es gab Regimekritiker und alternative Medien: Samizdat [Verbreitung von Untergrund-Literatur in der Sowjetunion, Anm. d. Übersetzers] und ausländischen Rundfunk. Nach einer von der US-Regierung bezahlten Studie von 1979 hörten 77% der Arbeiter und 96% der Mittelklasse-Elite ausländische Sendungen, während die alternative Presse 45% der hochqualifizierten Arbeiter, 41% der politischen Führer, 27% der Manager, und 14% der Arbeiter erreichte. Die Studie fand weiter heraus, dass die meisten Menschen mit ihren Lebensbedingungen zufrieden waren, die staatliche medizinische Versorgung favorisierten und die Kontrolle der Schwerindustrie durch den Staat unterstützten. Für Auswanderung gab es mehr persönliche als politische Gründe (James Miller und Peter Donhowe, Washington Post Weekly, 17. Feb., 1986, S. 16).
Regimekritiker wurden erbittert als "anti-sowjetisch" und "Anhänger des kapitalistischen Imperialismus" verurteilt, was von der Tatsache bewiesen wurde, dass sie die Fehler des sowjetischen Systems kritisierten, anstatt in den Paraden mitzumarschieren, welche die Verbrechen der offiziellen Feinde anprangerten. Sie wurden natürlich bestraft, nicht im Stil von US- Klientenstaaten wie El Salvador, aber hart genug.
Der Begriff "anti-sowjetisch" ist besonders auffallend. Wir finden ähnliche Begriffe in Nazideutschland, Brasilien unter den Generälen und unter totalitären Kulturen im allgemeinen. In einer relativ freien Gesellschaft würde der Begriff einfach nur Spott hervorrufen. Stellen Sie sich vor, dass z.B. Kritiker der italienischen Staatsmacht wegen "Aanti-Italienismus" verurteilt würden. Solche Begriffe wie "anti-sowjetisch" sind ein starkes Anzeichen einer totalitären Kultur; nur die treuesten und humorlosesten Kommissare können solche Begriffe benutzen.
Parteivolk, dass sich zu benehmen wusste, war solcher Verbrechen wie Anti- Sowjetismus nicht schuldig. Seine Aufgabe war es, dem Staat und seinen Führern zu applaudieren; oder noch besser, sie dafür zu kritisieren das sie von ihren großartigen Prinzipien abweichen, wodurch die Propaganda weitaus effektiver eingeflößt wird. Nämlich durch eine Grundannahme statt einer Behauptung, was wie immer das wirksamste Mittel ist. Der Kommissar darf sagen, dass die Führer in ihrer Verteidigung von Afghanistan gegen "den Angriff vom Innern, welcher von Pakistan und dem CIA manipuliert wurde" irren. Sie hätten verstehen sollen dass "es ein afghanischer Krieg war und das wir verlieren würden, wenn wir ihn in einen Krieg des weißen Mannes verwandeln würden." Ähnlich hätte ein Nazi-Ideologe zugestehen können, dass das "Zusammentreffen" zwischen Deutschen und Slawen an der Ostfront "nicht sehr begeisternd war", wegen der Ausgeglichenheit müssten wir uns aber vor Augen führen, dass es "ein totaler Krieg zwischen rivalisierenden Nationen um die Kontrolle eines Territoriums war, für das beide Gruppen zu sterben bereit waren" und "die Bedingungen des Konfliktes" für die Slawen "weniger mörderisch" waren als für die Deutschen, die den Lebensraum dringend benötigen und "die nicht nur ihre Vermögen, sondern auch ihre ganze Hoffnung auf ein neues Leben in ungetestetem Land gesetzt haben". Die Slawen könnten immerhin nach Sibirien gehen, um die Quelle direkt zu zitieren.
Lassen Sie uns mit diesen Beobachtungen im Hinterkopf zu unserer eigenen freien Gesellschaft kommen.
Beginnen wir mit der Ausgestaltung der Politik. Wirtschaftspolitische Richtlinien werden im Geheimen bestimmt; sowohl im Gesetz als auch im Prinzip ist der plebeszitäre Einfluss gleich Null. Die glücklichen 500 sind vielfältiger als das Politbüro und Marktmechanismen sind weitaus vielfältiger als in einer Befehlswirtschaft, aber ein Unternehmen, eine Fabrik, oder ein Geschäft ist das wirtschaftliche Gegenstück zum Faschismus: Entscheidungen und Kontrolle sind streng von Oben nach Unten gegliedert. Die Menschen werden nicht gezwungen, die Erzeugnisse zu kaufen oder sich selbst zu vermieten um zu überleben, aber das sind die einzigen Optionen.
Das politische System ist eng mit wirtschaftlicher Macht verknüpft, sowohl personell als auch durch breitere Beschränkungen der Politik. Anstrengungen der Öffentlichkeit, die politische Arena zu betreten, müssen versperrt werden: liberale Eliten sehen solche Anstrengungen als eine gefährliche "Krise der Demokratie" und für Reaktionäre ("Konservative") ist dies unerträglich. Das politische System hat abgesehen von der lokalen Ebene, welche von der Öffentlichkeit als weitgehend sinnlos betrachtet wird, praktisch keinen Fluss von Unten nach Oben.
Die Medien präsentieren eine Palette von Meinungen, hauptsächlich taktische Unterteilungen, welche die Verbindungen zwischen Staat und Unternehmen widerspiegeln. Natürlich sind die Medien den Kommissaren nie gehorsam genug. Die Medien wurden während des Krieges in Vietnam scharf wegen der Unterminierung des öffentlichen Kampfgeistes verurteilt, weil sie den imperialistischen Aggressoren und ihren lokalen Agenten in die Hände spielten, vor denen die USA die Menschen von Vietnam mutig verteidigte. Eine Freedom House Studie lieferte ein dramatisches Beispiel dafür (vgl. Herman und Chomsky, Manufacting Consent, Kapitel 5, 5.2, und Anhang 3). Wieder gibt es für den totalitären Geist keinen Grad von Unterwürfigkeit der genügt.
Es gibt Regimekritiker und andere Nachrichtenquellen. Ausländische Rundfunksendungen erreichen praktisch niemanden, aber alternative Medien existieren, allerdings sollte man bedenken, dass diese nur in einem weitaus geringerem Ausmaß als die Samizdat existieren. Regimekritiker werden scharf als "anti-amerikanisch" und als "Anhänger des Kommunismus" verurteilt, was von der Tatsache demonstriert wird, dass sie das Schlechte des amerikanischen Systems verurteilen anstatt in den Paraden mitzumarschieren, welche die Verbrechen der offiziellen Feinde anprangern. Aber sie werden im einzelnen nicht streng bestraft, zumindest wenn sie privilegiert sind und der richtigen Farbe angehören. Wieder, funktioniert das Konzept des "Anti- Amerikanismus", ein starkes Anzeichen einer totalitären Denkensart.
Lassen Sie uns nun zu der Times Buch-Besprechung kommen, wo wir zunächst nur die Besprechungen betrachten und die Bücher außen vor lassen.
Die Ausgabe vom 15. März enthält Morton Kondrackes Besprechung von Paul Hollanders "Anti-Amerikanismus". Sowohl der Verfasser als auch der Rezensent sind treue Verteidiger von Gräueltaten der US Regierung und ihrer Klientenstaaten. Kondracke applaudiert dieser ehrenwerten Bloßstellung des Verbrechens des Anti-Amerikanismus, obwohl er glaubt, dass Hollander vielleicht zu weit geht als er die Leistungen an Behinderte als einen Beweis für die sozialistische Abweichung des Kongresses anführt.
"Anti-Amerikanismus" (gleichwertig "die Linke", oder "Marxisten") wird vom Verfasser als "eine im allgemeinen kritische Haltung zu den existierenden gesellschaftlichen Vereinbarungen" definiert; der "kulturelle Glaube" dass "dies eine oft fehlerhafte und möglicherweise verdammte Gesellschaft ist, die immer noch eine Bedrohung für ihre Bürger und die Menschlichkeit ist." Kondracke ist derselben Meinung, dass "die Linke mehr Beachtung und Aufmerksamkeit in den Medien bekommt" als ihr zusteht und "sehr einflussreich" in Hochschulen und der Kirche ist. Aber noch ist nicht alles verloren: "es gibt keine einzige marxistische oder größere "anti- amerikanische" Tageszeitung (oder auch nur Journalisten größerer Zeitungen) im Land" und die gefährlichen "Kirchen" verlieren Mitglieder. Glücklicherweise sind jene mit "einer im allgemeinen kritischen Haltung gegen die existierenden gesellschaftlichen Vereinbarungen" fast gänzlich ausgeschlossen, obwohl wir unsere Wächter behalten müssen, falls die Ketzerei einen kleinen Anschluss findet.
Kondracke ist außer sich, dass selbst nachdem "die kommunistische Alternative zusammengebrochen ist", die Anti-Amerikaner (implizit pro-kommunistisch) bei ihrer "dauerhaft feindseligen Kultur" bleiben und damit fortfahren "ihr Land zu hassen". Sie "haben dem nicht öffentlich abgeschworen", auch wenn bewiesen ist das sie "völlig falsch" in ihren wilden Ansprüchen lagen, dass die Sandinisten und andere Frevler "eine helle Zukunft für Menschheit darstellten" -- oder, um Delirien durch Realität zu ersetzen, dass die Sandinisten den Nicaraguanern Hoffnung hätten bieten können. "Die Verbrecher" schließt in diesem Fall die Weltbank, die Zentralamerikanischen Jesuiten, die Führungsfiguren Zentralamerikanischer Demokratie, Jose Figueres, ein bedeutender Anhänger von US Unternehmen und die CIA ein, was mit Sicherheit ein ziemlich breites Spektrum ist. Aber das zeigt nur wie ehrfurchtgebietend die antiamerikanische Verschwörung ist.
Kondracke erinnert uns nicht daran, wie die Anti-Amerikaner widerlegt wurden, aber seine Aufzeichnungen legen nahe, dass er mit der Time Magazin- Rezension übereinstimmen würde, in der das Verfahren bewundert wurde, welches uns die jüngste "glückliche Serie von demokratischen Überraschungen" und den "Demokratie-Ausbruch" in Nicaragua im Februar 1990 beschert haben: "die Zerstörung der Wirtschaft zusammen mit einem langen und tödlichen Stellvertreterkrieg, bis die erschöpften Eingeborenen die unerwünschte Regierung selbst stürzen", mit Kosten die für uns "minimal" sind und die Opfer "mit zerstörten Brücken, sabotierten Kraftwerken, und ruinierten Bauernhöfen" zurücklassen und damit dem US-Kandidaten "Gewinnpunkte" verschaffen: die Beendigung der "Verelendung der Menschen von Nicaragua". Kondrackes Begeisterung für terroristische Gewalt und den illegalen wirtschaftlichen Krieg war groß und seine Liebe zur "Demokratie" ist von der gleichen Qualität.
Wie Kondracke weiter erklärt, werden die Anti-Amerikaner nur vom "Vergnügen des Kampfes gegen die Welt, in der sie leben" angetrieben. Aber er kommt triumphierend zu dem Schluss, dass "in all ihrem anti-amerikanischen Wahnsinn einige wenige Amerika-Hasser das Land verlassen". Love it or leave it, aber wage es nicht zu sagen, dass seine Großartigkeit fehlerhaft ist. Totalitäre Kulturen erreichen nicht oft solche Höhen.
In der Ausgabe der nächsten Woche (22. März) bespricht Caleb Carr ein Buch über den Sioux-Aufstand in Minnesota von 1862. Nach dem verbindlichen Schäumen am Mund über die Boshaftigkeit der "political correctness" erklärt Carr, dass die "Minnesota-Zusammenstöße ein totaler Krieg zwischen rivalisierenden Nationen über die Kontrolle eines Territoriums war, für das beide Gruppen zu sterben bereit waren". Für die eine Nation, "war Siedlung bekanntlich ihre letzte Hoffnung", sie "setzten nicht nur ihre Vermögen sondern auch ihr Leben auf die Hoffnung, ein neues Leben in unerprobtem Land aufzubauen.". Für die Eingeborenen waren "die Umstände des Konfliktes" zunächst einmal "weniger mörderisch"; sie könnten immerhin weiter westlich ziehen. Carr beschreibt das "Zusammentreffen" als "nicht weniger als begeisternd", und preist den Verfasser dafür, einzusehen dass beide Nationen Verbrechen schuldig waren. Jene der Sioux werden in blutrünstigen Details umrissen ("schreckliches Verhalten", "Sadismus und Blut-Gier", "eine besondere Vorliebe für Folterung von Kindern und Kleinkindern", etc.); für die Siedler, die Lebensraum suchen unterscheidet sich die Rhetorik (gebrochene Verträge, Hängen von 38 Sioux, Ausweisung von Indianern die des Widerstandes nicht "schuldig" waren, etc.). Aber der Unterschied ist nur gerecht, berücksichtigt man die Asymmetrie der Notwendigkeit der "Zusammenstöße".
In der folgenden Woche werden wir mit einer Rezension von Arthur Schlesinger [AS] über John Newmans "JFK und Vietnam" erfreut. Einer Rezension des führenden Kennedy-Hagiographen [Hagiographie: Erforschung und Beschreibung von Heiligenleben, Anm. d. Übersetzers] eines Buches der Kennedy-Hagiographie. Sowohl Verfasser als auch Rezensent beeinflusst natürlich eher eine kritische Haltung welche betont, dass der Held durch das Verbergen seiner edlen Verpflichtung zu einem "beschränktem Krieg" geirrt haben kann (umfassender internationaler Terrorismus) und eine totale Aggression besser gewesen wäre -- die sich deutlich von der Aggression niederer Intensität, welche JFK von 1961 bis 1962 verfolgte, unterscheidet; eine weitere Wahrheit, die nicht ausgesprochen werden darf.
AS ist voll des Lobes für diesen "soliden Beitrag", mit seiner "peniblen und gründlichen Untersuchung der Dokumente". Ein erstaunliches Urteil, das einer getrennten Diskussion bedarf. AS glaubt, dass Newmans These, wonach sich Kennedy aus Vietnam sogar ohne einen Sieg zurückziehen wollte, "im wesentlichen richtig" ist. Er fügt hinzu das er, AS, vor 30 Jahren in seinem "A Thousand Years" zu dem gleichen Punkt gekommen ist, wo er die Ansicht von Kennedy vertrat, dass "es ein vietnamesischer Krieg war, und das wir verlieren würden, wenn wir ihn in einen Krieg des weißen Mannes verwandeln würden.".
AS erinnert uns nicht daran, dass LBJ [Lyndon B. Johnson, 36. Präsident der USA, Anm. d. Übersetzers] üblicherweise ähnliche Bemerkungen machte, nachdem er seinen Mantel angezogen hatte: wir wollen nicht "das unsere amerikanischen Jungs den Kampf für die asiatischen Jungs kämpfen", verkündete er während des Wahlkampfes von 1964. Sicher, das ist nicht wirklich das gleiche wie die JFK-AS Version: für LBJ war es eine Frage des Prinzips, während es für JFK-AS eine reine Frage des Aufwandes war, eine Frage wie man gewinnt, aber das nur nebenbei. Der Argumentation AS' zufolge muss LBJ eher stark zum Rückzug entschlossen gewesen sein statt eine Eskalation zu wollen. AS erinnert uns, dass in seiner großen 1965 erschienenen "History of Camelot", bevor der Krieg bei den Eliten seine Popularität verloren hatte, es keine einzige Formulierung gab, die annehmen ließe, dass JFK sich zurückziehen wollte, was nur zwei Möglichkeiten zulässt: [1] der Historiker behielt es als Geheimnis; [2] dieser nahe JFK-Kenner wusste es nicht; (3) es ist nicht wahr.
Verfasser und Rezensent machen das böse Militär für das Durchkreuzen JFK?s geheimer Pläne verantwortlich. Beide zitieren was AS "eine hysterische 1962er Notiz" nennt, in denen die Militärs voraussagen "das der Fall von Süd-Vietnam in kommunistische Kontrolle die endgültige kommunistische Herrschaft des ganzen südostasiatischen Festlandes bedeuten würde" und dass die meisten Asiaten vor dem kapitulieren würden, was das Militär noch stur, den "Sino-Sowjetischen Block" [Sino-Sowjetischer Block: in den 50er Jahren eingeführter Begriff für Russland und China, basierend auf der Annahme eines internationalen Kommunistischen Blocks, der Begriff wurde trotz der aufkommenden Verfeindung zwischen Russland und China weiter benutzt, Anm. d. Übersetzers] nannte. "Solche Übertreibungen" führt AS aus, "erklären die niedrige Meinung von Kennedy gegenüber dem Militär".
Um zu "A Thousand Days" zurückzukommen, entdecken wir, dass es JFK?s Außenministerium war, dass von dem "Sino-Sowjetischen Block" redete. Die "Übertreibung" über Süd-Vietnam ist überdies Standardkost in internen Dokumenten der 40er Jahre, die auf der Angst der potentiellen Anziehungskraft des kommunistischen Erfolgs basierte. AS erspart uns die Gedanken von JFK zu dieser Angelegenheit. 1956 bezeichnete Senator JFK Vietnam als "den Eckstein der Freien Welt in Südostasien, den Grundpfeiler der Hemisphäre, den Finger im Deich." Burma, Thailand, die Philippinen und Indien "sind unter jenen, deren Sicherheit bedroht werden würde, wenn die rote Flut von Kommunismus in Vietnam überlaufen würde ... Zudem ist die Unabhängigkeit eines freien Vietnam für die freie Welt in weiten Teilen entscheidender als im militärischen. Die Wirtschaft [von Vietnam] ist unentbehrlich für die gesamte Wirtschaft Südostasiens und ihre politische Freiheit ist eine Inspiration für jene die versuchen ihre Freiheit in allen Teilen Asiens -- und in der Welt -- zu erhalten oder zu bewahren. Die fundamentalen Lehrsätze der Außenpolitik dieser Nation hängen kurz gesagt in erheblichem Maße von einer starken und freien vietnamesischen Nation ab" - womit die mörderische Diem-Diktatur, ein Terrorstaat mit minimaler innenpolitischer Unterstützung, gemeint ist, ein Vorgehen was sich im allgemeinen bewährt hat.
Vielleicht veränderte JFK später seinen Ton. Nicht im geringsten. Bis zum Ende behauptete er, dass "ein Ende der Bemühungen nicht nur den Kollaps von Süd-Vietnam bedeuten würde, sondern von ganz Südostasien. Also bleiben wir." (Mai 1963). Ein Rückzug "würde es den Kommunisten nur leichter machen", die dann nach Südostasien zurückkehren würden; deshalb müssen wir "diesen Krieg gewinnen" (Sept. 1963). Selbst die Reduktion der Hilfe für Fernost würde in Südostasien reichen und hätte einen "einladenden Effekt", Indien und vielleicht sogar den Nahen Osten zu bedrohen (März 1963). Damit verglichen klingen die Militärs ziemlich mild.
Zum Ende war die öffentliche Position von JFK, dass es unser "Ziel" sein sollte, sicherzustellen, dass "der Angriff vom Innern, der vom Norden manipuliert wird, beendet wird" (12. Nov. 1963). Die internen Aufzeichnungen unterscheiden sich kaum davon. Genau wie Newman führt AS Michael Forrestal und Roger Hilsman als Anhänger eines Rückzuges auf und vergisst hinzuzufügen, dass Forrestal den Rückzug ausdrücklich an die Bedingung eines Sieges knüpfte und selbst die "Verhandlungen über Siedlungen ... zwischen Nord und Süd-Vietnam" als "Narrheit" verurteilte (13. Nov. 1963); während Hilsman im Oktober 1963 den Taylor-McNamara-Rückzugsvorschlag (NSAM 263) in seinem Buch "To Move a Nation" umriss und sein Urteil abgab, dass JFK auch ohne einen Sieg "genauso gut Bodenkräfte der Vereinigten Staaten in Süd-Vietnam hätte landen lassen können - auch wenn ich nicht glaube, dass er ihnen befohlen hätte, Kriegsanstrengungen zu übernehmen."
Um die dogmatische Reinheit zu bewahren, ist es nicht wesentlich zu demonstrieren, dass JFK vorhatte, sich aus Vietnam zurückzuziehen. Viel wichtiger ist sicherzustellen, dass die Debatte über den US-Krieg innerhalb des Tauben-Falken Spektrums eingeengt werden muss: die zulässigen Optionen liegen zwischen internationalem Terrorismus (angeblich JFK) und totaler Aggression (LBJ, die Kennedy-Berater, die übrig bleiben). Außerdem müssen alle Optionen keimfrei sein: sie sind ein Schutz gegen "einen Angriff vom Innern" in den Worten von JFK -- tatsächlich aber wusste er, das es ein "Angriff" von einheimischen Guerillakämpfern gegen einen terroristischen Klientenstaat war, der im politischen Wettbewerb nicht überleben könnte.
Wenn diese Ziele erreicht werden, hat das Propagandasystem seine Pflicht getan.
Aufrichtig,
Noam Chomsky

