Ost Timor ist keine Geschichte von Gestern
ZNet, Oktober 1990
Jüngsten Berichten zufolge war die UN- Mission in Osttimor in der Lage nur noch knapp über 150.000 Leute aus einer geschätzten Bevölkerung von 850.000 Menschen zu zählen. Es wird berichtet das 260.000 Menschen "zur Zeit in erbärmlichen Flüchtlingslagern in West Timor unter der wirksamen Kontrolle der Milizen stehen, nachdem sie entweder geflohen sind oder gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden". Weitere 100.000 wurden in andere Teile Indonesiens umgesiedelt. Der Rest so wird vermutet hat sich in den Bergen versteckt. Der australische Kommandant drückte die verständliche Besorgnis aus, dass den vertriebenen Menschen Nahrung und medizinische Versorgungen fehle. In den Flüchtlingslagern in Ost und West Timor, wo die Flüchtlinge "am verhungern sind und terrorisiert werden", wie US Assistant Secretary of State Harold Koh berichtet, ist das Verschwinden von Flüchtlingen "ohne eine Erklärung" ein tägliches Phänomen.
Um das Ausmaß dieser Katastrophe einschätzen zu können, muss man sich die faktische Zerstörung der physischen Überlebensgrundlage durch die abziehende indonesische Armee und ihrer paramilitärischen Kollegen ("Milizen") und die Schreckensherrschaft vor Augen führen, der das Territorium für ein Vierteljahrhundert unterworfen wurde. Einschließlich der Abschlachtung von Hunderttausenden von Menschen, während die Carter Administration die benötigte diplomatische und militärische Unterstützung stellte.
Wie haben seine [Carters] Nachfolger während der jetzigen "edlen Phase" der Außenpolitik, mit dem "Heiligenschein", um einige der mit Ehrfurcht erfüllten Rhetorik von geschätzten Reportern in der nationalen Presse während des Jahres 1990 zu zitieren, reagiert? Eine Reaktion war die Unterstützung für die Mörder zu erhöhen -- für "unsere Art von Typ", wie General Suharto von der Clinton- Administration beschrieben wurde, bevor er deren Gunst verlor, weil er die Kontrolle im Land verlor und die Einhaltung der harten IWF Auflagen nicht mit hinreichender Leidenschaft verfolgte. Nach dem Dili- Massaker 1991 beschränkte der Kongress Waffenverkäufe und verbot die Ausbildung von indonesischem Militär durch die USA, aber Clinton fand verschlungen Wegen, sich diesem Verbot zu entziehen. Der Kongress drückte seine "Empörung" darüber aus, seine Aufforderung wiederholend, dass "es die Intention des Kongresses war und ist, US Militärtraining für Indonesien zu verbieten", Leser des Far Eastern Economic Reviews und Dissidentenveröffentlichungen könnten hier etwas lernen. Aber es wäre nutzlos.
Anfragen über Clintons Programme erhielten die routinemäßige Antwort des State Departments: US Militärausbildung "erfüllt eine sehr positive Funktion in Bezug darauf, ausländischen Militärs, US Werte näher zu bringen". Diese Werte drücken sich darin aus, dass Militärhilfe für Indonesien floss, sowie in den von der Regierung lizenzierten Abschlüssen von Waffenverkäufen, die sich von 1997 zum letztem Jahr nochmals um ein Fünftel erhöht haben. Vor einem Monat (19. Sept.), veröffentlichten der London Observer International News Service und die London Guardian Weekly eine Story mit dem Titel "USA trainiert Schlechter von Osttimor. " Der Bericht, von zwei geschätzten Korrespondenten, beschreibt Clintons "Iron Balance" Programm, welches das indonesische Militär, im Verstoß gegen das Kongressverbot , bis ins Jahr 1998 ausbildete. Die Ausbildung der mörderischen Kopassus- Einheiten eingeschlossen, welche die "Milizen" führten und organisierten und die -- während Washington sich dessen durchaus bewusst war -- direkt an deren Gräueltaten beteiligt waren, genauso wie Washington wusste, dass diese langjährigen Nutznießer unserer Militärausbildung "legendär in ihrer Grausamkeit waren und in Osttimor Pioniere und Beispiel für jede Art von Gräueltat wurden" (Ben Anderson, einer der führenden Indonesien- Spezialisten der Welt).
Clintons "Iron Balance" Programm versorgte diese Einheiten mit Ausbildung in Antiterrorbekämpfung und "psychologischen Operationen", Sachkenntnissen die sie sofort einsetzen konnten. Als sie und ihre Günstlinge die Hauptstadt Dili mordend und umherwütend im September abbrannten, gab das Pentagon bekannt, dass das "US- Indonesisches Ausbildungstraining auf humanitäre und Katastrophenschutzaktivitäten abziele (25. Aug)". Genau fünf Tage vor dem Referendum, welche die sprunghaften Eskalation der Verbrechen auslöste -- genau wie die politische Führerschaft in Washington es erwartete, zumindest wenn sie ihre eigenen Geheimdienstberichte lesen.
All dies fand seinen Weg in das Gedächtnisloch, dass die bisherigen Aufzeichnungen der US Unterstützung für die Gräueltaten enthält, man gewährt die gleiche (Null) Aufklärung wie bei vielen andere Ereignisse des vergangenen Jahres. Zum Beispiel, bei dem einstimmigen Votum des Senats auf den 30. Juni, der die Clinton- Administration dazu aufruft den Stop der indonesischen Militäraktionen in Osttimor, mit "jedem Darlehen oder jeder finanzieller Hilfe für Indonesien" zu verknüpfen, wie die Leser der Irish Times lesen konnten.
Einen großen Teil des Jahres 1999 haben sich westliche Intellektuelle, in einer der dreistesten Zurschaustellung von Selbstverherrlichung in der Geschichte, mit ihren großartigen Leistungen im Kosovo beschäftigt. Unter den vielen Facetten dieses großartigen Erfolgs in die richtige Richtung, war die Tatsache das der riesige Strom von brutal behandelten Flüchtlingen nach der Bombardierung, dank Washingtons Nichtfinanzierung der verantwortlichen UN- Agency, kaum Hilfe erhalten konnten. Das Personal wurde 1998 um 15 % und im Januar 1999 um weitere 20 % reduziert; um jetzt die Denunziation des (auch heiligen) Tony Blair für seinen "problematischen Auftritt" zu Anfang der Gräueltaten erdulden zu müssen, welche die vorweggenommene Konsequenz der US/UK Bombardierungen waren. Während die gegenseitige Bewunderungsgesellschaft wie benötigt funktionierte, stieg die Zahl der Gräueltaten in Osttimor. Sogar vor dem Referendum wurden nach Angabe glaubwürdiger Kirchenquellen 3000-5000 Menschen getötet, also über zweimal so viele wie -- Natoangaben entsprechend -- vor der Bombardierung im Kosovo (bei einer mehr als zweimal so großen Bevölkerung). Als die Zahl der Gräueltaten im September in die Höhe schoss, sah Clinton ruhig zu, bis er nach innenpolitischem und internationalem (zumeist australischem) Druck gezwungen wurde, zugmindesten einige Gesten zu machen. Diese reichten aus um die indonesischen Generale dazu zu bringen, ihren Kurs sofort zu ändern, ein Indikator für die latente Macht, die schon immer verfügbar gewesen wäre. Eine rationale Person kann einige Schlüsse über kriminelle Sträflichkeit daraus ziehen.
Man könnte noch berichten, dass die USA kein Geld für die australisch geführte UN- Einsatztruppe zur Verfügung gestellt hat (im Gegensatz dazu, Japan, lang ein inbrünstiger Anhänger von Indonesien, steuerte 100 Millionen Dollar bei). Aber das ist im Lichte der Weigerung der USA auch nur irgendwelche Kosten von zivilen UN-Operationen zu zahlen, vielleicht auch nicht überraschend. Selbst im Kosovo waren sie dazu nicht bereit. Washington hat die UN auch darum gebeten, nachfolgende Operationen zu reduzieren, weil sie dann irgendwann dazu aufgerufen werden könnten Teile der Kosten zu tragen. Hunderttausende vermisste Menschen können in den Bergen verhungern, aber der Air Force, die auf dem Gebiet der nadelspitzengenauen Zerstörung ziviler Ziele herausragend ist, fehlen offensichtlich die Kapazitäten um Lebensmittel abzuwerfen. Aber es gab nicht mal einen Aufruf für solch elementare humanitäre Maßnahmen. Hunderttausende, sehen sich in Indonesien einem weitaus schlimmeren Schicksal ausgesetzt. Ein Wort aus Washington würde genügen, um ihre Folter zu beenden, aber es gibt kein Wort, und keine Bemerkung.
Im Kosovo sind die Vorbereitungen für Kriegsverbrechensprozesse seit Mai unterwegs gewesen, beschleunigt durch US/UK Initiative, einschließlich eines beispiellosen Zuganges zu Geheimdienstinformationen. In Osttimor werden Untersuchungen in der Freizeit diskutiert, mit indonesischer Teilnahme und einem straffen Terminplan (31. Dez.). UN- Beamten werden in der britischen Presse mit den Worten zitiert, es sei "ein absoluter Witz, eine vollständige Verschleierung". Ein Sprecher von amnesty International fügte hinzu, dass eine Anfrage, so wie sie bisher geplant ist, "bei den Ost Timoresen ein noch größeres Trauma verursachen würde als es bisher schon der Fall ist. Es wäre in dieser Phase eine echte Beleidigung." Die australische Presse berichtet, das Indonesische Generale " nicht gerade in ihren Stiefeln zu erzittern scheinen". Ein Grund dafür ist das "einige der vernichtensten Beweise wahrscheinlich Materialien sein werden, welche von Funkübertragungen von hochentwickelt elektronisch Ausstattung der USA und Australien abfangen wurden", und die Generale sind zuversichtlich, dass sie ihre alten Freunde sie nicht im Stich lassen werden -- und sei es nur weil die Kette der Verantwortung schwer an der richtigen Stelle zu kappen sein wird.
Es gibt auch wenig Anstrengungen, die Beweise für die Gräueltaten in Osttimor aufzudecken. In strikten Gegensatz dazu, wimmelte es im Kosovo von Polizei und gerichtsmedizinischen Teams der USA und anderer Länder in der Hoffnung großangelegte Gräueltaten zu entdecken, die in eine Rechtfertigung für die NATO Bombardierungen verwandelt werden können , obwohl sie die vorweggenommene Konsequenz dessen waren -- genau wie von Milosevic geplant, so wird jetzt behauptet; obwohl NATO General Wesley Clark einen Monat nach der Bombardierung berichtete, das die angeblichen Pläne "mir niemals mit geteilt worden sind" und das die NATO-Operation "[von der politischen Führerschaft] als kein Mittel entworfen wurde die Ethnischen Säuberungen zu stoppen... Es war nie die Intention das zu tun. Das war nicht die Idee."
Als Kommentar auf Washingtons Weigerung auch nur einen Finger krümmen um den Opfern seiner Verbrechen zu helfen, bemerkte der erfahrene australische Diplomat Richard Butler dass "mir von leitenden amerikanischen Beratern sehr klar zu verstehen gegeben, dass die Tatsachen des Bündnisses im wesentlichen sind: die USA wird angemessen antworten, hauptsächlich im Bezug auf seine eigenen Interessen und Abschätzung der Bedrohung..." die Bemerkungen sollten nicht als Kritik an Washington verstanden werden; eher als Kritik an den Australiern, die die Tatsachen des Lebens nicht versteht: die anderen sollen die Lasten auf sich nehmen, und die Kosten tragen -- was für Australien eine Beleidigung sein dürfte. Es wird für kaum jemanden ein großer Schock sein wenn in ein paar Jahre US Konzerne fröhlich die Stücke in einem Indonesien auswählen, welches die australischen Aktionen übel nimmt, aber die wenige Probleme mit deren Oberherr haben.
Der Chor der Selbstverherrlichung ist ein bisschen abgeklungen, aber nicht viel. Weit wichtiger als diese peinliche Auftritte ist das Unterlassen zu handeln -- sofort, und entscheidend -- um den Menschen den Rest einer der schrecklichsten Tragödien dieses furchtbaren Jahrhunderts zu ersparen.

