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Nicholas Holt - Interview zum 11. September

Ashville Global Report, 8. März 2002

Noam Chomsky, Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology ist einer der freimütigsten und einflussreichsten Kritiker der US Aussenpolitik und der Massenmedien. Zu seinen vielen Schriften gehören "Year 501: The Conquest Continues", "Manufacturing Consent" (mit Edward S. Herman), "What Uncle Sam Really Wants", und "9-11". Nach seiner Rückkehr aus der Türkei, wo er zu der erfolgreichen Verteidigung eines Herausgebers beitrug, der Regierungsrepressalien wegen der Veröffentlichung von Professor Chomskys Essays ausgesetzt war (AGR #162, Feb. 21-27), nahm er sich trotz seiner sehr vollen Agenda die Zeit für eine Unterhaltung mit dem Ashville Global Report.

Seit den Angriffen vom 11. Sept. hat die Bush Regierung die US Militäroperationen auf der ganzen Welt ausgeweitet. Zusätzlich zu Afghanistan, werden Truppen zu den Philippinen und nach Georgien entsandt. Vizepräsident Cheney gab bekannt, dass Operationen in Bosnien und am Kap Horn in Afrika "in Gange" wären, und zusätzlich versuchte die Bush Regierung den "Drogenkrieg" und den "Krieg gegen den Terror" miteinander zu verkuppeln, und die US Beteiligung an den Bürgerkrieg in Kolumbien zu vergrössern. Und als potentielle künftige Ziele gibt es da natürlich noch die "Achse des Bösen", mit Nord Korea, Irak und dem Iran, sowie Somalien, Jemen, den Libanon und den Sudan. Reflektiert diese Situation einen neuen Ehrgeiz der Vereinigten Staaten, oder kriegen wir nur den selben alten Imperialismus in den neuen Gewändern des "Krieges gegen den Terror" zu sehen?

Persönlich denke ich, die bedeutendste Veränderung seit dem 11. September ist die Einrichtung der Militärbasen in Zentralasien, die, wie es aussieht, permanent sein werden. Die entscheidende Entwicklung in Usbekistan und mehrere der anderen angrenzenden Länder... begründen eine neue weltweite Militärpräsenz, wie die Vereinigten Staaten sie nie zuvor hatten, zusätzlich zu der bereits bestehenden im Pazifik, im Mittleren Osten, Lateinamerika, eigentlich auf der ganzen Welt. Das ist ein globales System, aber es hat in Zentralasien noch keine wichtigen Zentren gegründet. Das ist aus einem Grund wichtig, weil die Ressourcen in Zentralasien, obwohl nicht mit denen im persischen Golf gleichzusetzen, nichtsdestotrotz wesentlich sind, und deshalb ein wichtiger Spielball für die Macht.

Im 19 Jhd. Wurde dies gewöhnlich als das "Grosse Spiel" bezeichnet. Damals war es in erster Linie ein Konflikt zwischen dem Russischen Kaiserreich und dem British Empire, die beide in dieses Gebiet expandierten. Afghanistan wurde deswegen sehr umkämpft. Heute nimmt dies eine neue Form an, das Hauptinteresse gilt nun den Energieressourcen und anderen Ressourcen in der Region. China gefällt es nicht, was die Vereinigten Staaten tun, es passiert genau vor ihrer Grenze; Russland gefällt es auch nicht, es liegt vor ihrer Grenze. Sie haben es immer als ihre Einflussphäre angesehen. Dem Iran gefällt es sicher auch nicht.

Was es antreibt hat eigentlich nichts mit Terrorismus zu tun. Die Motivation ist die Kontrolle über Ressourcen, und das ist wichtig. Es ist nicht nur Erdöl. Eine andere wichtige Ressource, der die Menschen nicht genug Aufmerksamkeit schenken ist zum Beispiel Wasser. Das könnte sich in den kommenden Jahren als genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger als Erdöl erweisen.

Die wichtigsten Wasserquellen der Region liegen zufällig im Osten der Türkei, von wo ich gerade zurückgekommen bin, und die zufällig auch die Region ist, in der die schlimmsten Greueltaten und ethnischen Säuberungen der 90?er Jahren stattgefunden haben, dank in erster Linie Bill Clinton, der die Waffen und die militärische und wirtschaftliche Unterstützung dafür geliefert hat. Das sind die türkischen Greueltaten, Massaker und so weiter, in den kurdischen Gebieten der östlichen Türkei, die äussert bedeutend ist. Ich meinte von grosser strategischer Bedeutung, aber teilweise auch, weil es einige der wichtigsten Wasserquellen der Region kontrolliert. Das ist dort wo die grossen Auseinandersetzungen um den Bau von Staudämmen und anderen Dingen stattgefunden haben. Das ist also auch ein Teil davon.

Wasserressourcen sind lokalisiert. Zentral dafür sind Bergspitzen. Da kommen sie her. Die UN veröffentlichte gerade einen grossen Bericht, der davor warnt, dass die meisten Kriege, die gerade auf der Welt stattfinden, in Berggebieten geführt werden, wie in Afghanistan, und einen verheerenden Einfluss auf potentielle Wasservorräte haben.

Aber das sind grosse Probleme, wenn Sie also die militärischen Entwicklungen betrachten wollen, ist die bei weitem wichtigste, zumindest meiner Meinung nach, die Einrichtung der scheinbar permanenten Militärbasen in Zentralasien.

Von den anderen Fällen die Sie erwähnt haben, geht es in den Philippinen meiner Meinung nach um innenpolitische Motive. Tatsächlich hatte Kristoff von der New York Times vor einigen Tagen einen ziemlich fairen Artikel darüber. Sie sind hinter einer Verbrecherbande her, der wahrscheinlich einige Dutzend Leute angehören, und keine Verbindungen zu irgendeiner Form des internationalen Terrorismus haben. Sie sind zweifellos Verbrecher. Was wahrscheinlich gebraucht wird, sind ein paar Hundert philippinischer Soldaten, aber das Problem mit den philippinischen Soldaten ist, dass das Militär dort wahrscheinlich an denselben kriminellen Aktivitäten mitbeteiligt sind, und vielleicht nicht gegen sie vorgehen werden. Die US Sondertruppen und der ganze Rest haben nichts damit zu tun.

Es ist sehr wichtig für die Bush Regierung die Menschen hier zu in Angst zu versetzen. Das letzte was sie wollen, ist dass die Bevölkerung der Vereinigten Staaten darauf achtet was die Bush Regierung ihnen antut, auf die Tatsache, dass sie an einer sehr wesentlichen Übertragung des Wohlstandes von Arm zu Reich arbeiten. Darum geht es bei den Steuersenkungen und dem übrigen Betrug.

Sie zerstören das Umweltschutzsystem. Heute morgen erst, reichte einer der führenden EPA Beamten seinen Rücktritt ein, weil sie nicht bereit sind zu regulieren, das heisst, die Umwelt zu zerstören, in der unsere Grossenkel überleben müssen.

Sie versuchen ihr möglichstes um die Überreste der Wohlfahrtsprogramme zu unterminieren, Medicaid, Social Security, und so weiter. Und all diese Einschneidungen sind äusserst schädlich für die Bevölkerung und sehr profitabel für ihre reichen Befürworter. Sie wollen bestimmt nicht, dass die Leute darauf achten, oder auf den Enron Skandal und Cheneys Umgang mit Erdölgesellschaften und all so was. Der beste Weg um das zu verhindern und diese Agenda weiter auszuführen, was für sie wirklich wichtig ist, besteht darin die Leute zu ängstigen. Der beste Weg um Menschen zu kontrollieren ist sie ihn Angst zu versetzen.

Der 11. September war ein Geschenk für sie und für andere harte und repressive Elemente auf der ganzen Welt. Das war sofort ersichtlich. Das war das erste was ich gesagt habe, als Reporter mich fragten, welche Auswirkung dies meiner Meinung nach haben würde. Und ja, das ist es. Sie müssen die Menschen verängstigt halten, müssen die Ängste folgen lassen, es so aussehen lassen, als ob sie etwas wagemutiges tun würden um das amerikanische Volk vor dem internationalen Terrorismus zu schützen. Und das beste was man tun kann, ist die billigen Ziele zu wählen, die nicht teuer sind, und wo man dramatische Gesten ausführen kann und so weiter. Was ist besser als ein paar Kriminelle auf irgendeiner Insel in den Philippinen. Das ist es, wofür ich die Operation in den Philippinen halte.

Kolumbien ist nur eine Weiterführung der Clinton Politik. Vielleicht wird es ein wenig intensiviert, aber es sind die selben Programme zur Aufstandsbekämpfung die es in Wirklichkeit seit 40 Jahren gegeben hat, von Clinton ausgiebig erweitert, unter dem Vorwand des "Drogenkrieges", der sehr wenig damit zu tun hat, und nun unter Bush erweitert wird. Es ist also eine Fortsetzung der Clinton Politik.

Von den verschiedenen potentiellen Militäroperationen die Sie erwähnt haben, halte ich Irak für die ernsteste. Es hat mit dem internationalen Terrorismus wieder nichts zu tun.

Die Irakpolitik ist auch eine Art Fortsetzung, aber sie könnte sich verändern. Sie könnten dies für eine günstige Gelegenheit halten um die Kontrolle über den Irak wiederherzustellen, was äusserst wichtig ist. Irak besitzt die zweitgrössten Erdölreserven auf der ganzen Welt, viel davon ist untergefördert oder ungefördert. Saudi Arabien hat die grössten, Irak die zweitgrössten, und die sind wesentlich. Sie werden als riesig eingeschätzt, viel grösser als die in der kaspischen, östlichen und zentralasiatischen Region. Man kann darauf vertrauen, dass die Vereinigten Staaten nicht erlauben werden, sie lange ausser Kontrolle zu lassen, und sicher nicht, sie unter dem Einfluss ihrer Rivalen fallen zu lassen, wie sagen wir mal, Frankreich und Russland, die nun den Zugang zum irakischen Öl haben. Also auf die eine oder andere Weise werden die US tun was sie können, und sie können eine Menge, um die Kontrolle über diese Ressourcen wiederzuerlangen.

Es hat nichts mit Terrorismus zu tun, es hat nichts mit Saddam Husseins Greueltaten zu tun. Das wissen wir sicher. Der Grund wieso wir das wissen ist, weil wir Clinton, Tony Blair, Bush und (die ehemalige Innenministerin) Madeline Albright und den Rest von ihnen darüber reden hören, was für ein Monster Saddam Hussein ist, dass wir ihn nicht überleben lassen können, dass er chemische Waffen gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat und riesige Massaker verübt hat und so weiter.

All diese Anklagen sind korrekt. Aber dabei fehlen drei Worte: mit unserer Unterstützung.

Es ist wahr, er hat all diese Greueltaten verübt, Massenvernichtungswaffen entwickelt - mit unserer Unterstützung. Die Vereinigten Staaten und Grossbritannien haben ihn unterstützt, wir unterstützten ihn weiter lange nach den Greueltaten, versorgten ihn weiterhin mit der Technologie zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen, wie sie wussten, zu einer Zeit als er wirklich gefährlich war, viel gefährlicher in den 80?ern als dies passierte, als heute. Also sind die Anklagen korrekt, ja, er hat all diese schrecklichen Dinge getan, aber sie sind schlicht irrelevant. Und sie sind nur reine Täuschung. Wenn nicht jemand darauf hinweist, dass ja, er hat all diese schrecklichen Dinge mit unserer Unterstützung getan, ist das schlimmer als Lügen. Es ist also nicht wegen seiner Greueltaten, nicht wegen des Terrorismus, zu dem er Verbindungen haben könne oder auch nicht (sie haben nicht einmal versucht irgendetwas nachzuweisen). Es geht in erster Linie darum die Kontrolle über die Ölressourcen in einer sehr reichen Gegend zurückzugewinnen. Und dazu gehören viele Komplikationen.

Dazu gehört zum Beispiel die Türkei. Eine sehr aktuelle Frage in der Türkei ist im Augenblick, ob man dem US Druck nachgeben sollte, Bodentruppen für eine Invasion gegen den Irak bereitzustellen. Die Vereinigten Staaten müssen irgendwelche Bodentruppen haben. Sie haben dort nichts vergleichbares mit der Nördlichen Allianz, und es handelt sich um einen viel wesentlicheren Gegner. Die Türkei hat natürlich eine riesige Armee, und der Diskussion in der Türkei zufolge und ein kleines bisschen hier, werden sie unter Druck gesetzt ihre Militärkräfte auszusenden um den nördlichen Irak einzunehmen, etwas worüber sie gemischte Gefühle haben. Die negative Seite davon ist, dass sie viel mehr Kurden unter ihrer Kontrolle kriegen werden, und sie haben genug Probleme mit ihrer eigenen kurdischen Bevölkerung fertigzuwerden, die sie mit US Unterstützung mit äusserster Grausamkeit behandeln. So können sie damit durchkommen. Das letzte was sie wollen ist eine noch grössere kurdische Bevölkerung.

Die positive Seite für sie ist andererseits, dass die Türkei, mit einiger Berechtigung, schon immer der Ansicht gewesen ist, dass das sogenannte Nördliche Irak eigentlich ein Teil der Türkei sein sollte. Ein grosser Teil der Bevölkerung ist Türkisch. Die Grenze zwischen der Türkei und dem Irak ist von den Briten festgesetzt worden. Sie hatte keine Bedeutung. Sie wurde eingerichtet um sicherzugehen, dass Grossbritannien die Kontrolle über die Ölressourcen des nördlichen Irak behalten, und diese nicht an die Türkei gehen würden. Die Türken sind darüber offensichtlich nicht gerade begeistert...

Wenn die Türkei sie übernimmt, bedeutet das, dass die US sie übernimmt, weil die Türkei ein Klientenstaat ist, und die US irgendwie den Rest übernehmen würde. Man kann ziemlich sicher sein, dass solche Pläne äusserst ernst erwogen werden und implementiert werden könnten.

Wenn die anderen [potentiellen Militäraktionen] implementiert werden, denke ich wird es in etwa sowas wie die Philippinen sein, nur aus innenpolitischen Gründen, um die amerikanische Bevölkerung zu erschrecken, damit sie sich unter den Schwingen des grossen Helden verkriechen, der uns vor dem Bösen beschützen wird und so weiter. Das ist eine Art Menschen zu kontrollieren, und sie davon abzuhalten zu merken, was ihr grosser Held ihnen antut, was ziemlich hässlich ist.

Um von der nationalen Front zu sprechen, viele Menschen sind über die Gefährdung der Bürgerrechte in den Vereinigten Staaten besorgt, wenn wir uns in etwas verstricken, was ein endloser "Krieg gegen den Terror" zu sein scheint. Der USA PATRIOT ACT, der vom Kongress im Namen der "Verteidigung der Heimat" erlassen worden ist, erweitert die Freiheiten der Regierung Telefone anzuzapfen, Verdächtige festzuhalten, Kommunikationen im Internet zu überwachen, und geheime Durchsuchungen durchzuführen, während gleichzeitig die gerichtliche Übersicht für solche Handlungen eingeschränkt wird. Zusätzlich erliess Präsident Bush die Order alle Regierungsdokumente seit 1980 unter Verschluss zu halten, und Generalstaatsanwalt Ashcroft hat verschiedene Bundesinstitutionen angehalten sich Anfragen unter dem Gesetz für Informationsfreiheit "Freedom of Information Act" aktiv zu widersetzen.
Sie haben mehrere Male bemerkt, dass Amerikaner vielleicht mehr Zugang zu internen Regierungsdokumente haben als irgendjemand auf der Welt, eine Quelle, die offensichtlich für die Arbeit die Sie leisten sehr wichtig ist. Welche Bedenken haben Sie bezügliche dieser Bürgerrechtsfragen?

Es gibt Bedenken. Ich bin weniger darüber besorgt als viele andere Leute, da ich denke, dass der innenpolitische Widerstand zu gross ist. Aber man tut sicher gut daran besorgt zu sein. Eine sofortige Reaktion auf den 11. September, voraussehbar und unmittelbar, war, dass jede grausame, repressive Gewalt auf der Welt es als eine Gelegenheit ansah ihre eigene Agenda durchzusetzen. In Russland zum Beispiel, bedeutete das die Steigerung der Greueltaten in Tschechenien. In der Türkei bedeutete es eine stärkere Repression gegen die Redefreiheit, insbesondere gegen die kurdische Bevölkerung, und in Israel bedeutete es die Entsendung von Panzern in die Flüchtlingslager.

In den Vereinigten Staaten, Grossbritannien, Indien und anderen solchen Demokratien, bedeutet dies die verstärkte Bemühungen die einheimische Bevölkerung zu kontrollieren. Die Elitegruppen des politischen Systems, des wirtschaftlichen Systems und des ideologischen Systems verachten die Demokratie, aus absolut verständlichen Gründen: sie wollen die Dinge kontrollieren. Sie wollen nicht, dass sich die Leute einmischen. Wenn sie also einen Weg finden können um die Öffentlichkeit zu marginalisieren und die Staatsgewalt von der öffentlichen Aufmerksamkeit zu schützen, werden sie diese Methoden natürlich benutzen, und die Bush Regierung benutzt sie.

Es gibt innerhalb der Elitekreise keine Uneinigkeit. Diese Gruppe, die heute zufällig an die Macht ist, gehört der autoritäreren, und wenn Sie so wollen, der quasi-faschistischen Seite des Spektrums an. Das ist nichts neues. Die Reagen Regierung zum Beispiel...

Dem Gesetz nach sollten Dokumente nach einem Zeitraum von 30 Jahren freigegeben werden. Nach diesem Zeitraum sollte die Regierung deklassifizierte Dokumente freigeben, nicht alle, und mit ein wenig interner Zensur, aber die meisten sollten freigegeben werden. Und da ist dieses Komitee von Historikern, ziemlich konservative Historiker, aus der akademischen Welt, die dieses Verfahren für das State Department überwachen. So sollte es funktionieren.

Die Reagan Regierung hätte Dokumente aus den frühen 50`ern freigeben sollen, zu denen der US Putsch im Iran und der Militärputsch in Guatemala gehörten. Das waren die wichtigsten Dokumente. Sie gaben sie nicht frei. Anscheinend haben sie sie vernichtet. Das war eine so offensichtliche quasi-faschistische Handlung, dass der Historikervorstand unter öffentlichem Protest ihren Abschied einreichten. So etwas war noch nie zuvor passiert. Und das sind sehr konservative Herren.

Nun, das war extrem, aber die Bush Regierung besteht aus den gleichen Leuten, und sie würden das selbe tun. Sie wollen nicht, dass die Öffentlichkeit irgendetwas darüber weiss, was der Staat tut. Sie behaupten für den Freihandel zu sein und all so was, aber das ist Unsinn. Wie die Reagen Leute glauben sie an einem extrem mächtigen Staat, der den Interessen der Reichen dient und gegen die Überwachung der Öffentlichkeit immun ist. Das ist ihr Glaube. Das wollen sie haben. Ich will nicht den Anschein erwecken sie wären die einzigen. Das ist der allgemeine Konsens, aber sie gehören zum extremen Rand.

So, ja, sie machen von dieser Gelegenheit gebrauch, um zu versuchen die Staatsgewalt von der öffentlichen Aufmerksamkeit zu schützen. Das gehört zum Versuch die Öffentlichkeit gehorsamer und unterwürfiger zu machen. Der sogenannte PATRIOT ACT, (jeder der den Namen liest weiss genau was man davon zu erwarten hat) ja, das zielt in die selbe Richtung. Sie hätten gerne mehr Kontrolle über die Menschen, mehr Überwachung, mehr Angst, allgemeine Marginalisierung. So kann man damit durchkommen. Man kann Gesetze durchsetzen, von denen man weiss, dass die Öffentlichkeit dagegen ist.

Nehmen wir die internationalen Wirtschaftsabkommen, diese Dinge, die man "Freihandelsverträge" nennt - sie haben sehr wenig mit freiem Handel zu tun. Sie wissen, dass die Öffentlichkeit gegen so etwas ist, deshalb müssen sie es insgeheim tun. Es ist erstaunlich wie es funktioniert. Die heutige Ausgabe der New York Times zum Beispiel; im Geschäftsteil, den man normalerweise nicht liest, obwohl man es sollte, gibt es ein Artikel, der zum grössten Teil den Anderson Skandal und Enron widergibt und solche Sachen, aber wenn man sich das durchliest, steht darin, dass unter den GATS - das Allgemeine Abkommen für Handel und Dienstleistungen - neue Prinzipien implementiert werden. Dann schreibt der Autor, die GATS Verhandlungen hätten nichts von der öffentlichen Aufmerksamkeit oder der Proteste erregt, die sich gegen die Welthandelsorganisation richteten. Ich kann nicht sagen, dass der Bursche lügt, weil er es wahrscheinlich gar nicht weiss, aber das ist der eigentliche Schwerpunkt der Proteste. Das kann man nur herausfinden, wenn man sich mal anhört was die Leute bei den Protesten zu sagen haben, aber das ist eine Frage des Prinzips, bei der New York Times, der Washington Post, und überall sonst, dass man den Vorschlägen, Diskussionen und Bedenken der Demonstranten keine Aufmerksamkeit schenkt. Man konzentriert sich lediglich auf die Tatsache, dass jemand irgendwo ein Fenster eingeschmissen hat. Und da dies das Gesetz der Herausgeber ist - und es ist verständlich wieso - wissen die Reporter wahrscheinlich nicht einmal was der Hauptpunkt des Protestes gewesen ist. Um das zu wissen, müssten sie dem was die Menschen sagen Aufmerksamkeit schenken. Das kann man nicht machen.

Es ist aus einem sehr guten Grund das Hauptthema des Protestes gewesen. Das GATS ist ein ernster Angriff gegen die Demokratie. Und das merkt man sobald man fragt was "Dienstleistungen" bedeutet. Dienstleistungen bedeutet nicht nur Buchführung. Es betrifft so ungefähr alles was mit der öffentlichen Arena zu tun hat. Bildung, Gesundheitswesen, Kontrolle über Ressourcen, Wohlfahrt, Kommunikationen, der Postdienst - das sind Dienstleistungen. Das sind Dinge, zu denen die Menschen in einer demokratischen Gesellschaft etwas mitzureden haben sollten.

Nun, eine Art um die Demokratie vollkommen zu unterminieren ist, das alles der Privatmacht zu übergeben. Die Privatmacht kann nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ausser durch eine Kongressklage, kann man nicht herausfinden, was innerhalb einer dieser privaten Tyranneien, wie General Electric oder Enron oder irgendeine andere, vor sich geht. Das sind Tyranneien, und können zum grössten Teil nicht zur Verantwortung gezogen werden. Wenn man also die öffentliche Arena in ihre Hände geben kann, kann man formelle Wahlen abhalten und es spielt keine Rolle. Es ist so wie die früheren Wahlen in Russland. Es wird nichts riskiert. Das wird "Handel und Dienstleistungen" genannt - aber es hat nichts mit Handel zu tun - um es dem Rahmen der verschiedenen internationalen Abkommen unterordnen zu können. Das ist der Hauptpunkt, wie bei den Protesten in Quebec im letzten April, auf dem Gipfeltreffen der Amerikas. Das war eins der Hauptthemen. Aber um das zu wissen, müsste man darauf achten was die Demonstranten sagen, und was bei ihren Treffen vor sich geht und so weiter, und das ist ausgeschlossen. Und deshalb kann man so einen Artikel schreiben.

Aber die Regierung weiss, und die Eliten wissen, dass die Öffentlichkeit wirklich gegen die Dinge ist, die sie versuchen durchzusetzen, und sie müssen es deshalb im Geheimen tun, und nach dem 11. September konnten sie das bis zu einem bestimmten Ausmass tun. Eins der ersten Dinge die sie taten, war es das sogenannte "Fast Track" Gesetz durchzubringen, das angeblich irgend etwas mit Freihandel zu tun haben soll, aber es eigentlich nicht tut. Es hat etwas mit Demokratie zu tun. Es geht um die Frage, ob der Exekutive Zweig des Weissen Hauses internationale Abkommen ohne Beteiligung des Kongresses und ohne Wissen der Öffentlichkeit abschliessen kann.

Nach dem Fast Track Gesetz, darf der Kongress "ja" sagen. Das ist der Ausmass der Beteiligung, und es passiert ohne dass die Öffentlichkeit es weiss. Also ein bisschen wie der Kreml früher. So machte Stalin Abkommen, und die Duma, das Parlament, konnte "ja" sagen. Die glühendsten Anhänger des Freihandels wären dagegen, wenn sie irgendeine Verpflichtung gegenüber der Demokratie hätten. Es wird "Freihandel" genannt, weil das die einzige Weise ist, auf der die Regierung und die Geschäftswelt, ohne Einmischung der Öffentlichkeit, ihre eigenen internationalen wirtschaftlichen Abkommen durchdrücken können, die keine Freihandelsabkommen sind. Es sind Vereinbarungen über Rechte der Investoren.

Also ja, sie haben die Gelegenheit des 11. Septembers benutzt um das durchzusetzen, und wenn sie es schaffen die Öffentlichkeit unwissend und verängstigt und in irgendetwas anderes verstrickt zu halten, werden sie die Gelegenheit haben auch andere Dinge zu tun. Nehmen wir die sogenannte "Privatisierung der Sozialen Sicherheit," was sie ja verzweifelt tun wollen. Das ist eine extrem schädliche Sache für die allgemeine Bevölkerung. Es ist grossartig für Wall Street. Für Wall Street wäre es das Grösste. Sie würden riesige Geldmengen in den Händen halten. So weit es die allgemeine Bevölkerung anbetrifft, ist das eine sehr fragliche Operation, viel schlechter als viele andere Alternativen. Zum einen ist die ganze Sozialversicherungskrise ein Betrug. Im Grunde versuchen sie gerade die Sozialversicherungskrise zu verstärken, indem sie die Regierung tief verschulden, durch Steuersenkungen für die Reichen und riesige Pentagon Ausgaben, die sie zwingen wir - sie geben sogar zu, dass es darüber keine Debate gibt - auf die potentiellen Finanzen für Social Security, Medicare und Medicaid zurückzugreifen. Wenn sie das Social Security System in eine Krise treiben können, in die es sich im Augenblick nicht befindet, werden sie in der Lage sein den Menschen Angst genug einzujagen, um ihn der Wall Street zu übergeben. Es wird die Menschen der Gnade der Börsenmärkte ausliefern, was kaum ein Mittel für Sicherheit ist, wie die Enron Angestellten sehr wohl wissen.

Aber es hat auch einen tieferen Zweck. Nehmen wir an du bist ein Werktätiger und deine Rente hängt von dem ab was auf dem Börsenmarkt passiert. Wenn du um deine Rente besorgt ist, wirst du auf die Weise handeln müssen, die Profite für die grossen Firmen begünstigt, weil davon deine Zukunft abhängt. Anders ausgedrückt, du wirst lebenslang verpflichtet sein, gegen die eigenen Rechte zu arbeiten. Du wirst dich verpflichten müssen, gegen die Rechte der Arbeiter, der Armen, gegen Gewerkschaftsrechte, Arbeitsrechte zu arbeiten, gegen alles. Du wirst dagegen sein müssen, weil dagegen zu sein das ist, was die Profite der Reichen begünstigt, und deine Zukunft wird von den Profiten der Reichen abhängen. Es ist eine grossartige Weise Menschen zu kontrollieren. Das ist die Privatisierung der Sozialen Sicherheit, und wenn sie es schaffen das vollkommen gesunde System in eine Krise zu treiben, nun, vielleicht können sie das auch durchsetzen, indem sie die Menschen ausreichend ängstigen, durch die richtige Propaganda. Es ist möglich. Das sind die Art Dinge, denen die Menschen keine Aufmerksamkeit schenken und über die sie auch nicht nachdenken sollen. Worauf die Menschen ihre Aufmerksamkeit lenken sollen, ist, dass es auf einer Insel auf den Philippinen einen Verbrechen gibt, und unsere tapferen Streitkräfte bei seiner Bekämpfung mithelfen.

Nach 9-11 und den darauffolgenden Militäraktionen gab es natürlich eine massive Zunahme der patriotischen Zurschaustellung. Man sah pro-USA Paraphernalia, die allgegenwärtigen Fahnenaufkleber auf Autos, Erinnerungsbilder von den Twin Towers, und die üblichen "Amerika, liebe es oder verlasse es" T-Shirts. Innerhalb der Antikriegsbewegung selbst wurde über die Rolle der "Vaterlandsliebe" bei dem Widerstand gegen die Staatsgewalt debattiert. Einige greifen zur "Frieden ist patriotisch" Haltung, während andere die internationalistische Position einnehmen, dass Nationalstaaten selbst Hindernisse für den Frieden sind.
Könnten Sie ein wenig diese Positionen und die Herausforderung kommentieren, den eigenen Idealen und Überzeugungen - in Ihrem Fall der anarchistischen und libertär-sozialistischen - treu zu bleiben, während man in der realen Welt wahre Schlachten führen muss um, wie Sie es schon sagten, "den Boden des Käfigs zu erweitern?"

Zuallererst mal, sehe ich keinen Konflikt. Das allgemeine Prinzip scheint mir zu sein, zu sagen was man glaubt. Bleib deinen Überzeugungen treu. Das ist die einzige Art Menschen zu erreichen. Es ist nicht nur richtig das zu tun, sondern es lohnt sich auch. Ich spreche zu allen nur vorstellbaren Arten von Publikum, Gewerkschaften, Aktivisten, Friedensaktivisten, was auch immer, und ich sage praktisch immer das selbe...

Man muss sich selbst fragen, worum es bei dem Fahnenschwenken geht. Wenn es um den Kummer über die grossen Greueltaten geht, die gegen die Vereinigten Staaten verübt wurden, und der Verpflichtung die Schuldigen ausfindig zu machen, so teile ich sie. Das ist es, was getan werden muss wenn Verbrechen geschehen. Es ist das, was meiner Meinung nach zum Beispiel gegen US-Staatsführer getan werden müsste, die an Verbrechen auf der ganzen Welt beteiligt waren. Zum Beispiel in der Türkei. Gehen wir also gegen jene vor, die die Verbrechen in der südöstlichen Türkei verübt haben, bis hinauf zu Bill Clinton und Ronald Reagan. Das wäre genau das richtige. Und in diesem Fall wäre es das gleiche.

Ich denke die Leute verstehen das. Sie kriegen es natürlich nicht zu hören. Aber wenn sie es hören, klingelt etwas. Das tut Ehrlichkeit meistens. Und in diesem Fall ist Patriotismus okay, aber ich denke, es ist nur oberflächlich. Darunter stecken gute Menschen, die das Richtige tun wollen. Und das ist die richtige Weise diese Menschen zu erreichen. Es ist nicht ehrlich, sondern richtig es zu tun.

Und ja, ich denke - wie immer eigentlich - wir sollten uns auf die Nationalstaaten als ein führendes Instrument für Gewalt und Unterdrückung konzentrieren. Ich meine, sehen wir uns die Kriege an, die auf der ganzen Welt geführt werden. Sie sind das Ergebniss der Bemühungen, Nationalstaatssysteme dort aufzuzwingen wo sie nicht hingehören. Der grösste Krieg auf der ganzen Welt, und der letzten Jahren, wird augenblicklich im Kongo geführt. Ein paar Millionen Menschen sind dort getötet worden. Aber worum geht es dort eigentlich? Nun, das sind die Folgen der Grenzen, die von den imperialistischen Staaten aufgezwungen worden sind, und mit den Völkern nichts zu tun haben. Europa war in Wirklichkeit 500 Jahre lang der grausamste Ort auf der ganzen Welt, als sie versuchten das Nationalstaatssystem aufzuzwingen. Es war ein schreckliches System. Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist ein Beispiel dafür. Alleine schon die Gründung des Nationalgebietes war eine brutale, mörderische Angelegenheit. Also, ha, ich denke wir sollten darauf hinweisen, und ich denke dass die Menschen es verstehen sollten und können.

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