Die neue Weltordnung
Bates College, Lewistion, Maine, 1991
Viele Aspekte der gegenwärtigen Golfkrise sind vage und sicher
diskussionswürdig. Es gibt aber auch ein gewisses Maß an Klarheit. Ein
Punkt ist, dass die Ereignisse sehr bedeutend und enthüllend sind in
Bezug auf die Gestalt des jetzt in Sicht kommenden Weltsystems, das
allgemein als die Neue Weltordnung bezeichnet wird. So viel ist -denke
ich - richtig. Eine Sichtweise der Dinge wird z.B. von Staatssekretär
James Baker dargelegt, sie besagt, dass wir gerade in einem dieser
raren, sich im Umbruch befindenden Momente der Geschichte leben, kurz
vor einer hoffnungsvollen Ära stehend, wenn wir nur dieses letzte noch
verbliebene Element des Übels und der alten Ordnung eliminieren
könnten; namentlich den neuen Hitler, der die Welt erobern wird, wenn
wir ihn nicht rechtzeitig stoppen. Dies ist eine ziemlich verbreitete
Sichtweise, und um sie zu stützen wird regelmäßig betont, dass die
Vereinten Nationen eine, wie die New York Times es genannt hat,
"wundersame Wandlung" durchmachen, und dass die UN nun zum ersten Mal
ihre friedensbewahrende Funktion wahrnehmen können seit die Vereinten
Nationen gegründet wurden. Grundlage dafür ist, dass die Zeiten des
Kalten Krieges vorbei sind und so der Sicherheitsrat nicht länger durch
die sowjetrussische Obstruktionspolitik und die schrille antiwestliche
Hysterie der Dritten Welt-Staaten behindert wird. So können zu guter
letzt, nachdem wir all dies hinter uns gelassen haben, die Großmächte
zusammenkommen, den Aggressionen widerstehen und uns zu einer neuen Ära
des Friedens und der Gerechtigkeit führen, sobald wir in dieser
Schlacht des Guten gegen das Böse triumphiert haben. Dies ist die
vorherrschende Sichtweise und gleichzeitig das Bild einer Neuen
Weltordnung, die entstehen soll. Wenn ich die Fakten betrachte, so
zeigt sich mir ein ziemlich anderes Bild, welches ich Ihnen im
folgenden darlegen möchte.
Beginnen wir mit den Vereinten Nationen. Ich habe sicher wie auch Sie
Hunderte von Artikeln gelesen, die die "wundersame Wandlung"
beschreiben und deren Bezug auf das Ende des Kalten Krieges und die
Bereitschaft der Sowjetunion zur Kooperation und ferner die neue
Irrelevanz von Psychosen aus der Dritten Welt. Ich möchte immer noch
einen Artikel sehen, der irgendeinen Aufschluss über diese Theorie
gibt. Vielleicht ist es offensichtlich, aber sicher nicht so
offensichtlich wie 2+2=4. Man würde denken, dass es dafür einige
Beweismittel bräuchte. Ich habe niemanden gesehen, der es auf sich
nimmt, irgendwelche Beweismittel zu präsentieren. Es wird als
Gemeinplatz angesehen. In Wirklichkeit ist diese Theorie recht einfach,
ja lächerlich einfach zu überprüfen. Alles was man machen muss, ist
sich die Aufzeichnungen der Vereinten Nationen anzusehen. Nehmen Sie
den UN- Sicherheitsauschuß, von dem es öffentlich zugängliche
Aufzeichnungen gibt und fragen Sie sich, warum genau er nicht in der
Lage war, seine friedensbewahrende Aufgabe zu erfüllen. Ist es wegen
der sowjetrussischen Obstruktionspolitik und des anti-westlichen
Fanatismus der Dritte- Welt Länder? Dies ist leicht herauszufinden.
Wenn Sie sich nur die letzten zwanzig Jahre ansehen so werden Sie
herausfinden, dass ungefähr zwei Drittel der Vetos im
Sicherheitsausschuß von den U.S.A. eingebracht wurden. Mehr als die
Hälfte der anderen wurden von Großbritannien eingebracht, sodass diese
beiden Länder zusammen für ungefähr 80% aller Vetos im
Sicherheitsausschuß in den letzten zwanzig Jahren verantwortlich sind.
An dritter Stelle liegt Frankreich; die Sowjetunion liegt an letzter
Stelle, praktisch immer mit der Mehrheit votierend. Es gibt sicher
keinen Grund dafür anzunehmen, dass die anglo- amerikanische Kampagne
gegen die Vereinten Nationen und ihre friedensbewahrende Funktion mit
dem Rückzug der Sowjetunion von der Weltbühne beendet sein wird. Das
ergibt überhaupt keinen Sinn.
Und wenn Sie desweiteren die einzelnen Fälle betrachten, so werden Sie
herausfinden, dass diese praktisch nichts mit dem Kalten Krieg zu tun
hatten. Sie hatten mit traditionellen Beziehungen - heute werden sie
Nord- Süd Beziehungen genannt - zu tun, die in alten Zeiten mit dem
Wort Imperialismus bezeichnet wurden. Sie hatten mit der traditionellen
Aufgabe Europas zu tun, die Welt zu verwüsten und zu bezwingen. Die
U.S.A. und Großbritannien haben dabei geführt, waren Vollstrecker seit
dem Zweiten Weltkrieg. So liegen diese Fälle- Für die
UN-Generalversammlung gilt so ziemlich dasselbe. Die U.S.A. votieren
regelmäßig entweder allein oder mit ein oder zwei Klientelstaaten
zusammen gegen eine gewaltige Mehrheit in Fragen von Aggression,
Annexion, Abrüstung, Menschenrechtsverletzungen, allen anderen
Umweltfragen und gegen alles was auch nur im entfernten für diese
Themen relevant ist. Einmal mehr folgt daraus dieselbe
Schlussfolgerung: Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die
US-Obstruktionspolitik endet jetzt da die Russen aus dem Spiel sind. Es
hatte von Anfang an nichts mit den Russen zu tun, weshalb es auch
keinen Grund für ein Ende gibt. Es erscheint ziemlich trivial.
Panama & Nicaragua
,Ich werde nicht die ganzen Aufzeichnungen durchgehen. Aber lassen Sie
uns zur Illustration nur die letzten UN-Sitzungen nehmen, Sie sind in
Wirklichkeit eher typisch. Ich rede über den Winter 1989-1990, die
vorletzte UN-Sitzung. In dieser Sitzung gab es drei Vetos im
Sicherheitsrat, alle durch die Vereinigten Staaten. Zwei von den
Resolutionen, gegen die die U.S.A. ihr Veto einlegten verurteilten die
Invasion in Panama. Vergessen Sie nicht, dass dies der erste aggressive
Akt nach Ende des Kalten Krieges war. Saddam Hussein's ist dann der
zweite aggressive Akt. Die Invasion Panamas war "Post- Kalter- Krieg"
in dem Sinne, dass nicht einmal der einfallsreichste Propagandist für
die Invasion einen Vorwand hervorzaubern konnte, der mit den Russen
zusammenhängt. Die Definition des Kalten Krieges besteht darin, dass
das Standardmuster von Intervention wie bisher bestehen bleibt, aber
mit dem Vorwand, dass man sich gegen die Russen verteidigt. Vor den
Russen verteidigte man sich gegen die Hunnen (Deutschen) oder Briten
oder irgendjemand anderen. Das Muster ist dabei praktisch dasselbe. Die
Invasion Panamas war demnach eine Post-Kalte- Kriegs- Invasion. Eine
mörderische Intervention. Hunderte, vielleicht Tausende von Menschen
wurden dabei getötet. Eine Marionettenregierung wurde eingesetzt, die
eine europäische Minderheit von circa 8% der Bevölkerung repräsentiert.
Die Vereinigten Staaten sicherten damit den Fortbestand der für sie
günstigen Konditionen der Kanal-Benutzung. Gewöhnlicher
Interventionismus. Hierzulande wird es als Sieg der Demokratie
verstanden. Lateinamerikanische Länder betrachten es ein wenig anders.
Panama war Mitglied der "Gruppe der Acht", den acht
lateinamerikanischen Demokratien. Es war davon unter Noriega wegen
seines Missverhaltens zeitweilig ausgeschlossen. Panama wurde letzten
März auf Dauer ausgeschlossen, weil es ein besetztes Land ist. Am
29.1.91 fand eine Wahl statt von der in den U.S.A. kaum berichtet
wurde. Die alten mit Noriega assoziierten Parteien gewannen in sechs
von neun Provinzen. Was dort vor sich geht hat nichts mit Demokratie zu
tun. Um zum Sicherheitsrat zurück zu kommen: zwei der dort von den
U.S.A. mit Veto belegten Resolutionen verurteilten die Invasion von
Panama. Das dritte US-Veto hatte mit einer Resolution zu tun, die
Israel für Menschenrechtsverletzungen verurteilte. Die U.S.A. nutzen
ihr Vetorechtregelmäßig für alles, was sich gegen ihren Klientelstaat
richtet: Annexion, Aggression und für was auch immer.
Es gab desweiteren eine Anzahl von Resolutionen der Generalversammlung,
die mit diesen Themen zu tun hatten. Man kann in der Generalversammlung
kein Veto einlegen, wohl aber dagegen stimmen. Es gab zwei
Resolutionen, die sich an alle Staaten wandten, das internationale
Recht zu befolgen. In beiden Fällen stimmten einzig zwei Länder
dagegen: die Vereinigten Staaten und Israel. Der Wortlaut einer dieser
Resolutionen verurteilten die U.S.A. für ihre Militärhilfe an die
Contras, die andere für ihr Embargo gegen Nicaragua. Beides wurde vom
Weltgerichtshof bereits als illegal deklariert. George Bush ist der
Führer in der Welt der jetzt vom Weltgerichtshof für seine "illegale
Anwendung von Gewalt" - das juristische Vokabular für Aggression -
verurteilt wird. Deshalb stimmten die U.S.A. und Israel dagegen.
Es gab außerdem eine Resolution gegen den Erwerb von Territorium durch
Gewalt. Diese wurde mit 151 zu 3 Stimmen angenommen. Alle NATO-Staaten
fanden sich bei diesen 151. Einige Leute waren abwesend, im Grunde aber
stand die ganze Welt gegen 3. Die drei waren die U.S.A., Israel und die
Dominikanische Republik. Ich habe das Gefühl, dass der dominikanische
Botschafter im Moment der Abstimmung schlief. In jedem Fall stand es
151 gegen 3: U.S.A., Israel und die Dominikanische Republik. Die
Resolution verurteilte den Erwerb von Territorium mittels Gewalt und
forderte einmal mehr eine Beilegung des Arabisch-Israelischen
Konfliktes durch politische Mittel, wie dies fast von der gesamten Welt
seit zwanzig Jahren befürwortet, von den Vereinigten Staaten aber
blockiert wird. Das war im Dezember 1989, vor der Invasion Kuwaits
durch den Irak.
U.S.-Obstruktionspolitik
Dies sind die einzigen relevanten Resolutionen. Entweder waren die
Vereinigten Staaten in der Minderheit - im Grunde allein, im letzteren
Fall gegen die gesamte Welt - oder sie legten bei Resolution des
Sicherheitsausschusses ihr Veto ein, wobei zwei von den Resolutionen
die U.S.A., und eine ihren bevorzugten Klientelstaat verurteilte. Das
war für lange Zeit gängiges Muster. Und bei näherer Betrachtung sind
keine irgendwie gelagerten Indizien zu sehen, die darauf hindeuten,
dass wir uns auf dem Weg zu einer Neuen Weltordnung des Friedens und
der Gerechtigkeit befinden. Wir sehen im Gegenteil, dass die U.S.A. und
ihr Verbündeter Großbritannien im Sicherheitsrat allen Grund dafür
haben, die lange Kampagne, die sie gegen internationales Recht und die
Vereinten Nationen geführt haben, fortzusetzen. Die Vetos
Großbritanniens haben im allgemeinen mit der Unterstützung der
rassistischen Staaten Südafrikas zu tun, zu welchen Großbritannien ein
besonderes Verhältnis hatte.
Dies sind keine esoterischen Fakten. Es ist Ausdruck unserer
intellektuellen Kultur, der humanistischen Bildung und der Medien, dass
diese vollkommen transparenten Fakten niemals erwähnt werden. Sie
werden eher vernachlässigt, so als ob sie nicht existierten. Was wir
immer wieder hören ist, dass die Vereinten Nationen, nun da die
russische Obstruktionspolitik beendet ist, ihre friedensbewahrende
Aufgabe aufnehmen können. Bei der schrillen anti-westlichen Rhetorik
der Dritte-Welt-Länder handelt es sich wenn Sie sich die Mühe machen
hinzuschauen- meist um den Ruf nach Einhaltung des internationalen
Rechts, welches vom Gesichtspunkt der Dritte-Welt- Staaten aus
betrachtet, eine sehr schwache Barriere gegen das räuberische Gebahren
hauptsächlich der Vereinigten Staaten darstellt. Das ist die schrille
anti-westliche Rhetorik. Das sind also die Vereinten Nationen. Es gibt
keinen Grund anzunehmen, dass wir uns auf eine Ära der großen
Verheißungen zubewegen. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall. Es
geht noch weiter, indem die offensichtlichen Fakten nicht nur
ignoriert, sondern zu 100% bestritten werden: und dies beruht nicht auf
Insider-Informationen - das ist allgemein zugänglich. Das sagt uns
einiges über die politische und intellektuelle Kultur der führenden
Weltmacht und fügt der Frage, wie diese Weltordnung aussehen wird,
wiederum einige Vermutungen bei.
Lassen Sie uns zum besonderen Fall der irakischen Invasion kommen. Sie
werden sich daran erinnern, dass Saddam Hussein bis zum 1.August George
Bush's bevorzugter Freund und Handelspartner war. Dies war für Leute,
die versuchten die U.S- Unterstützung für diesen mörderischen Gangster
offenzulegen und zu verurteilen recht frustrierend. Ich war einer von
diesen Leuten. Es gab nicht viele. Es gab Zeiten, in denen ich
buchstäblich die einzige Person in den U.S.A. war, die einige der
verbrecherischen Angebote der Hilfe und Unterstützung für Saddam
Hussein durch das Weiße Haus öffentlich machte. Den wenigen anderen,
sofern überhaupt erwähnt, wurde sofort mit Dementis des Pentagons und
State Departments begegnet. Saddam Hussein war ein guter Kerl. Er war
ein Gemäßigter. Unter unserer Vormundschaft besserte sich sein
Verhalten. Sicher, er hatte den wahrscheinlich gewalttätigsten und
repressivsten Staat der Welt aufgebaut. Er quälte, mordete und tötete
Kurden. Das machte aber nichts, denn er war gut für unsere Geschäfte.
Man konnte mit ihm Handel treiben und dabei ein Menge Geld machen. Es
sah so aus, als hätten wir ihn in der Tasche und deshalb war er ein
Gemäßigter.
Das Konzept "gemäßigt" besitzt in der politischen Rhetorik der U.S.A.
eine lange und bemerkenswerte Tradition. Mussolini war bis 1939 ein
Gemäßigter. Hitler war ein Gemäßigter, ebenso Trujilo, Marcos und
Duvalier; es ist eine lange Liste. Es passiert im Grunde genommen immer
dasselbe. An einem bestimmten Punkt - Noriega war dafür das letzte
Beispiel, er war bis ungefähr 1985 ein Gemäßigter - hat die Tatsache,
ob man ein Gemäßigter ist nichts damit zu tun, wie mörderisch, gemein,
oder repressiv man sich gibt. Es hat damit zu tun, ob man US-Interessen
befriedigt. In dem Fall ist man ein Gemässigter. Typischerweise laufen
diese früher oder später aus dem Ruder, werden zu unabhängig, treten
den falschen Leuten auf die Füße oder durchkreuzen Geschäftsinteressen
etc. An diesem Punkt werden sie plötzlich zu Reinkarnationen Dschinghis
Khans und ihre mörderische und repressive Vergangenheit kann als
Rechtfertigung für ihre Zerstörung benutzt werden, indessen wir
vorwärts in die Zukunft marschieren, das Banner der edlen Sache vor uns
hertragend.
Dies ist eine übliche Masche. Wenn man die amerikanische Geschichte
betrachtet, so findet man dieses Spiel immer wieder. Es passierte
gerade ein Jahr vorher mit Noriega. Er ist im Vergleich zu Saddam
Hussein ein kleiner Schmalspurganove. Wenn man sich aber
zurückerinnert, so war es dieselbe Platte. Er konnte foltern,
Wahlbetrug begehen, mit Drogen handeln, alles was er wollte. Wir haben
ihn gedeckt. Wir bezahlten ihn. Aber er wurde zu unabhängig. Er begann
Friedensverhandlungen zwischen Zentralamerika und den Vereinigten
Staaten zu unterstützen. Er wurde widerspenstig gegenüber dem Krieg in
Nicaragua, wurde so zum schlimmsten Gangster seit Attila dem Hunnen und
musste deshalb vernichtet werden. Das ist eine übliche Geschichte.
Saddam Hussein tat am 2.August dasselbe. Er demonstrierte, dass er kein
schlichter Mörder und Folterer war. Das wäre in Ordnung gewesen. Er war
aber ein Mörder und Folterer mit Unabhängigkeitsbestrebungen, was nicht
in Ordnung geht. Deshalb musste er vernichtet werden.
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak
Nach Saddam Hussein's aggressivem Akt gab es zwei Reaktionen; zwei
ziemlich unterschiedliche Reaktionen. Es ist wichtig, sie im
Bewusstsein zu behalten. Als erstes war da die normale Reaktion der
Weltgemeinschaft, die jedem aggressiven Akt folgt. In diesem Fall
reagierten die Vereinten Nationen besonders prompt mit der Verhängung
von Sanktionen. Sanktionen bedeuten: Sanktionen und diplomatische
Verhandlungen. Sanktionen bedeuten, dass man eine Strafe verhängt und
man sich, wenn diese Wirkung zeigt, einer diplomatischen Lösung des
Konflikts zuwendet. Dies sind die von internationalem Recht
vorgeschriebenen friedlichen Mittel. Die Vereinte Nationen reagieren
gewöhnlich so auf jeden Akt der Aggression. Sie versuchten es zum
Beispiel im Falle der US-Invasion in Panama. Sie konnten es nicht, da
die U.S.A. ihr Veto einlegten. Das ist gängiges Muster. Als Israel 1982
in den Libanon einmarschierte - völlig ohne vorhergegangene
Provokation, (beiläufig gaben sie eine Provokation vor, aber es gab
kaum eine;) und das war eine ernsthafte Invasion, die ungefähr 20.000
Menschenleben forderte (weit mehr als Saddam Hussein's Invasion), ein
mörderisches Bombardement einer arabischen Hauptstadt, Folter,
Vertreibung, eine ganze Palette von Gräueltaten - versuchte der
Sicherheitsausschuß einfach nur eine Benennung der Aggression zu
erreichen, von Sanktionen wurde nicht geredet. Die Vereinigten Staaten
aber legten prompt ihr Veto dagegen ein. Tatsächlich legten sie ihr
Veto gegen eine Reihe von Resolutionen ein, die von Israel ein Ende der
Aggressionen und eine Waffenruhe forderten. Die U.S.A. legten ihr Veto
ein, weil sie diese Invasion befürworteten. Dies gilt in sehr vielen
Fällen einschließlich solcher, die schlimmer sind als Saddam Hussein's
Invasion in Kuwait.
Der Fall von Ost-Timor
Um eine noch andauernde Invasion zu nennen: die Invasion Indonesiens in
Ost-Timor. Sie ist fast ein Genozid. Diese könnte, Amnesty
International zufolge, zu ungefähr 200.000 Toten geführt haben. In
Relation zur Bevölkerungszahl ist es das schlimmste Blutbad seit dem
Holocaust. Die U.S.A. begünstigten es sehr stark. 90% der indonesischen
Waffen kamen aus den U.S.A. Das hat sich ein wenig verlagert;
Großbritannien hat die Rolle des Hauptlieferanten übernommen. Als den
Indonesiern beim Überfall dieses winzigen, hilflosen Landes praktisch
die Waffen ausgingen, machte sich die Carter-Regierung ein paar Momente
frei von der Feststellung, die Menschenrechte wären die Seele ihrer
Außenpolitik und verstärkte die Waffenlieferungen an Indonesien, sodass
diese das Blutbad vollenden konnten. Was bei der UN passierte wird sehr
treffend von unserem dortigen Botschafter Daniel Patrick Moynihan
beschrieben, der jetzt in der Presse dauernd als der große Vertreter
und Verteidiger des internationalen Rechts beschrieben wird. Er war zu
der Zeit UN-Botschafter. Bei Betrachtung seiner Memoiren findet man
eine klare und akkurate Beschreibung des Geschehenen. Er sagt: "Die
U.SA. wollten, dass sich die Dinge so weiterentwickelten. Mir wurde die
Verantwortung dafür übertragen, die UN in allen Bestrebungen zu
behindern. Ich erfüllte diese Aufgabe mit nicht geringem Erfolg". Im
nächsten Satz sagt er: "Innerhalb der nächsten zwei Monate deuteten
Berichte darauf hin, dass im Zuge der indonesischen Invasion ungefähr
60.000 Menschen getötet worden waren, annähernd derselbe Anteil der
Bevölkerung wie die Nazis in Osteuropa getötet hatten ". Und dann kommt
er zum nächsten Thema.
Das ist die normale Reaktion. Wenn die U.S.A. eine Aggression
begünstigen, sie oder ihr britischer Verbündeter sie selbst ausführen,
legen sie gegen Resolutionen des Sicherheitsrates ihr Veto ein. Sie
geben Aggressoren großzügig Belohnung. Das ist die Norm. Es ist nicht
in 100% aller Fälle so, aber vorherrschendes Muster.
In diesem besonderen Fall standen die U.S.A. und England zu der
Aggression in Opposition, und dies aus Gründen, auf die ich noch
zurückkommen werde. Sie waren also dagegen, und so war die UN in der
Lage zu agieren. Das ist die "wundersame Wandlung" bei den Vereinten
Nationen. Die beiden Länder die normalerweise die friedensbewahrende
Funktion des Sicherheitsrates untergraben, taten es diesmal zumindest
nicht direkt.
Tatsächlich taten sie es indirekt, auf diesen Punkt werde ich noch
zurückkommen. Sie haben aber gegen die Sanktionen kein Veto eingelegt.
Tatsächlich übten sie außergewöhnlichen Druck auf den Sicherheitsrat
aus zur Auferlegung von Sanktionen. Von solcher Beispiellosigkeit, dass
der nationale Kirchenrat prompt - und in meinen Augen korrekterweise -
die Sanktionen als skrupellos brandmarkte. Sogar in viel schlimmeren
Fällen als diesem gab es nie Sanktionen auf Nahrungsmittel und
medizinische Hilfsgüter. Unter Druck der U.S.A. ging die UN aber viel
weiter als sie es normalerweise versucht - (aber von den U.S. A. und
Großbritannien blockiert wird und verhängte extrem scharfe Sanktionen.
Es war sehr wahrscheinlich, dass die Sanktionen effektiv sein würden,
es war seit August offensichtlich. Es gab dafür zwei gewichtige Gründe.
Einer davon ist, wie ich schon erwähnte, dass die Sanktionen von noch
nie dagewesener Härte waren. Der Zweite ist der, dass die Sanktionen
einmal von Ländern unterstützt wurden, die die Sanktionsbestimmungen
normalerweise verletzen, namentlich die U.S.A., Großbritannien,
Frankreich und ihre Alliierten. Die Sanktionen gegen die rassistischen
Staaten Südafrikas waren sehr porös, da die vormals genannten Länder
sie verletzten. Resultat dessen war, dass die Sanktionen nicht wirklich
griffen. In diesem Fall aber standen die üblichen Sanktionsknacker
hinter den Sanktionen. Deshalb war es wahrscheinlich, dass die
Sanktionen greifen würden.
Der anglo- amerikanische Aufruf zum bewaffneten Kampf
Es gab eine zweite, sofort initiierte Reaktion. Die Reaktion lag darin,
die Sanktionen zu unterlaufen, diplomatische Bemühungen zu blockieren,
und die Möglichkeiten auf die Androhung oder Anwendung von
Gewaltmaßnahmen zu reduzieren. Dies war die von den U.S.A. und England
praktisch allein aufgenommene Option, ohne die den Golfregierenden
diktatorischen Familienherrschaften, ohne die Ölproduzenten und die
lauwarme Unterstützung ihrer Alliierten. Wenn man sehr genau hinschaut,
so kämpfen zwei Mächte im Golf, die U.S.A. und England. Die U.S.A.
klopfen sehr laut an die Türen anderer Länder, um sie zu einer
zumindest symbolischen Unterstützung für die Sache zu bewegen; und die
U.S.A. sind derart mächtig, dass sich ihnen nur wenige entgegenstellen.
Man kriegt also tröpfchenweise Unterstützung und niemand spuckt Geld
aus, wenn er nicht gezwungen wird. Gleich am Anfang verkündete
Deutschland - und danach die EG - öffentlich, dass sie nichts mit der
Sache zu tun hätten, denn es handele sich um ein bilaterales Verhältnis
zwischen den U.S.A. und Saudi-Arabien. Und dies war seitdem so ziemlich
die Position der meisten Länder. Dies ist eine US- britische Operation.
Es gibt Bemühungen dies zu vertuschen, indem von den 28 Ländern, die da
draußen sind, geredet wird. S ie sind aber da draußen wegen den
Sanktionen oder weil sie von den U.S.A. genug bearbeitet wurden, um
zumindest einen symbolischen Beitrag etwa in Form eines
Minensuchgerätes zu leisten. Es ist aber eine US-britische Operation.
Sie begann sofort.
Diese Operation beinhaltete zwei grundlegende Elemente. Das erste lag
darin, die Sanktionen zu unterlaufen. Normalerweise unterlaufen die
U.S.A. Sanktionen indem sie einfach ihr Veto einlegen. Diesmal taten
sie es nicht, da sie diese unterstützten. Wie auch immer, sie wurden
auf andere Weise unterlaufen. Dies geschah durch die schon sehr früh
getroffene Entscheidung, ein riesiges Expeditionsheer in die Golfregion
zu schicken. Eine Abschreckungsmacht könnte lange genug
aufrechterhalten werden, auf See, vielleicht auf dem Land falls nötig,
damit die Sanktionen Effekt zeigen. Für ein Expeditionsheer gilt dies
nicht. Ein massives Expeditionsheer von mehreren tausend Mann muss
eingesetzt werden und das schnell. Die Truppen können nicht mehr als
Wochen oder vielleicht Monate in der Wüste verbleiben. So dass der
Effekt und ohne Zweifel auch der Zweck der prompten Entscheidung, ein
Expeditionsheer anstatt eines Abschreckungsheeres zu schicken darin
lag, die Sanktionen zu unterlaufen.
Erinnern Sie sich bitte daran, dass Sanktionen Sanktionen und
diplomatische Verhandlungen bedeuten. Die U.S.A. machten von
vorneherein klar, dass es keine diplomatischen Verhandlungen geben
würde. Keine! Hier muss man ein wenig vorsichtig sein, denn es gibt
viel Rhetorik des Präsidenten und der Zeitungsherausgeber, die besagt -
wie Bush es vor kurzem sagte: "Es gab außerordentliche Bemühungen auf
diplomatischem Sektor, und da diese versagten, hatten wir nichts
anderes mehr übrig als die Anwendung von Gewalt." Herausgeber auf
Herausgeber preisen Bush als denjenigen, "der alles für den Frieden
versucht hat" etc. Man muss sich aber daran erinnern, dass dies die
nach orwellsche Welt ist. Wenn Leute "Diplomatie" sagen, so meinen sie
"Ablehnung von Diplomatie". Das ist klar, deutlich und unzweideutig.
Die Position der U.S.A. war von Anfang an unerschütterlich,
unzweideutig, und, um den Präsidenten zu zitieren: "es wird keine
Unterhandlungen geben".
Es gehört absichtliche Blindheit dazu, diese Erklärung im Kontext mit
Bemühungen zu sehen, alles für den Frieden zu versuchen. Es gibt etwas,
das mit Diplomatie bezeichnet wurde, nämlich die Überreichung eines
Ultimatums welches besagt: "Kapituliere oder stirb". Das ist keine
Diplomatie. Das ist die Ablehnung von Diplomatie. Daran ist wiederum
nichts subtil. Was ich gesagt habe sollte für einen Zehnjährigen
offensichtlich sein, und es ist unzweideutig. Es ist sehr wichtig zu
bemerken, dass über dieses Thema im Westen Übereinkunft besteht. Wir
lernen eine Menge über unsere Kultur durch die Erkenntnis, dass man
sogar bei einer Trivialität wie dieser so gut wie niemanden findet, der
sagt, dass diese flachen, vorbehaltslosen, und unzweideutigen
Ablehnungen der Diplomatie "außerordentliche Bemühungen der Diplomatie
sind, um alles für den Frieden zu versuchen ". Dies ist die Art von
Resultat, wie man es in einem wohldisziplinierten totalitären Staat
nicht erreichen könnte. Das ist keine Übertreibung. Es lohnt sich
darüber nachzudenken. Das ist die Kultur, in der wir leben. Der Versuch
es zu verstehen lohnt sich. Es ist schön zu versuchen, andere Kulturen
zu verstehen. Es ist schöner zu versuchen, uns selbst zu verstehen.
Der Grund dafür, dass die U.S.A. Diplomatie ablehnten, wurde von Anfang
an auch sehr deutlich auf der Titelseite der New York Times
ausgesprochen. Man musste sich nicht sehr anstrengen, um es zu finden.
Es gibt bei der New York Times einen Posten, der "Chefkorrespondent für
diplomatische Angelegenheiten" genannt wird. Das ist ein Euphemismus
mit der Bedeutung "Sprecher des State- Departments". Der
Chefkorrespondent der New York Times ist Thomas Friedman. Er hatte am
22.August einen Artikel auf der Titelseite der, wie ich vermute die
Stellung der US Regierung zu diesem Thema recht akkurat und überzeugend
erklärte. Er sagt er es sei wichtig die diplomatische Schiene zu
blockieren, da diese zu verfolgen bedeuten würde "die Krise zu
entschärfen zum Preis eines geringen Erfolgs für den Irak". Dann sagte
er was das wäre. Vielleicht eine kuwaitische Insel oder eine
Gebietsberichtigung eines Ölfelds. Auf was er hinwies und was jeder,
der der Sache folgt genau weiß, ist dies: Die britische Kolonialmacht
schnitt den Irak in den zwanziger Jahren vom Meer ab. Sie taten dies,
indem sie Kuwait zwei unbewohnte Inseln zuwiesen und diese unter
britisches Protektorat stellten. Die Inseln bleiben unbewohnt. Wenn der
Irak eine Art von Kontrolle über diese beiden Inseln etwa in Form eines
Pachtvertrages hätte, so wäre der Zugang zum Golf gegeben. Das ist der
Verweis auf die ein oder zwei kuwaitischen Inseln. Der Verweis auf das
Ölfeld hängt mit dem Rumalia Ölfeld zusammen, einem reichhaltigen
Ölfeld, das zu 98% im Irak liegt. Es erstreckt sich ungefähr zwei
Meilen auf kuwaitisches Gebiet unter einer nicht festgelegten und
umstrittenen Grenze. Es gab einen Streit darüber, wo die Grenze liegt
und wem das Öl gehört. Das ist die zweite Streitfrage.
Ein irakisches Friedensangebot
Viel schwerere Streitfragen wie diese wurden schon durch diplomatische
Verhandlungen gelöst. Die Sorge des State Departments lag aber darin,
dass die beiden Streitfragen durch Diplomatie beigelegt werden könnten
und sich deshalb die Krise entschärfen könnte. Deswegen war es
notwendig die diplomatische Schiene zu blockieren. Das war seitdem
immer die Position der U.S.A. Wir wissen jetzt, dass der Irak
tatsächlich ein Angebot zur Beilegung der Krise machte, das sich genau
auf diese Fragen bezog. Rückzug aus Kuwait unter einer Art von
Kontrolle über diese beiden unbewohnten Inseln - etwa ein Pachtvertrag
über 99 Jahre- und Kontrolle über das Rumalia- Ölfeld. Das wurde der
New York Times vorgelegt, aber unterdrückt, wie sie später einräumten.
Es wurde dann von einer New Yorker Vorstadtzeitung sehr gut aufgemacht
veröffentlicht, was die New York Times zumindest dazu trieb, seine
Existenz zuzugeben, da es ja an jedem New Yorker Zeitungsstand
auftauchte. Wahrscheinlich wurde es deshalb der Zeitung Newsday , die
in Long Island erscheint, zugespielt.
Das Angebot wurde von einem US-Beamten überreicht, weshalb es keinen
Grund gibt, seine Autentizität anzuzweifeln. Hohen Beamten des State
Departments zufolge war das Angebot in seinen Worten "seriös und
verwertbar`. Ich werde nicht den Rest der Aufzeichnungen durchgehen, es
gibt aber von diesem Punkt an eine lange Liste von Friedensangeboten
anderer Länder. Vom Irak - ich gebe ihnen einfach den letzten in der
Öffentlichkeit bekannten Fall, der wieder von einem hohen US-Beamten
kommt, und es gibt deshalb keinen Grund, seine Autentizität
anzuzweifeln - gibt es ein von hohen US-Beamten am 2.Januar
herausgegebenes Friedensangebot, welches wiederum in Newsday und in
wenigen anderen Zeitungen marginal erwähnt wurde. In diesem
Friedensangebot stand nichts über die Streitfragen zum Grenzverlauf. Es
garantierte alle Grenzfragen, verlangte nach einem totalen Rückzug aus
Kuwait in Gegenleistung eines ungehinderten Abzugs, verlangte einen
Rückzug fremder Truppen vom Golf, und eine nicht näher festgelegte Form
eines Arrangements zu zwei herausragenden Streitfragen, die schon
mehrmals angesprochen worden waren. Eine davon ist der
israelisch-palästinensische Konflikt, die andere handelt über
Massenvernichtungswaffen in der Region. Desweiteren eine Art von
Einbeziehung des UN-Sicherheitsrats in die beiden Streitfragen.
Einen Tag später zeigte eine weitere Klärung wie es scheint, dass eine
Verpflichtung des Sicherheitsrats gemeint war, sich in Zukunft mit
diesen Fragen zu beschäftigen. Beamte des State Departments sagten
wieder, es sei in ihren Worten eine seriöse Vorverhandlungsposition.
Sie sagten dies sei besonders interessant, weil alle Grenzansprüche
fallengelassen und die Entscheidungen darüber auf später aufgeschoben
werden (nach einem totalen Rückzug), und eine ernsthafte Intention des
Iraks erkennbar ist, nach einem Weg zu suchen, sich zurückzuziehen. Das
ist nicht verwunderlich, betrachtet man die gegen ihn gerichteten
Mächte. Es gibt dazwischen viele andere Angebote, die ich nicht
aufzählen will.
Das bedeutet, dass wenn diese Angebote keine Manöver, sondern ernsthaft
waren, es zwei Wochen bevor die U.S.A. und Großbritannien in den Krieg
zogen, möglich gewesen wäre, die Streitfrage friedlich auf folgender
Grundlage zu lösen: Der Irak zieht sich vollständig aus Kuwait zurück,
die fremden Truppen ziehen nach und nach aus der Region ab, weitere
Fragen werden einer späteren Lösung überlassen, mit einer Art von
Zusicherung des UN-Sicherheitsrats, sich mit dem Problem der
Massenvernichtungswaffen in der Region und mit dem
israelisch-arabischen Konflikt zu beschäftigen. Waren die Angebote
ernst gemeint? Wir wissen es nicht, und der Grund dafür ist, dass es
nur einen Weg gibt herauszufinden, ob Angebote ernsthaft sind, nämlich
sie weiterzuverfolgen. Da sich die U.S.A, weigerten, sie
weiterzuverfolgen und sie die Angebote sofort fallen ließen, können wir
über deren Ernsthaftigkeit nur spekulieren. Es ist aber ziemlich klar,
dass man im Weißen Haus dachte, die Angebote wären ernst gemeint, man
sich wegen der Ernsthaftigkeit fürchtete, und sie deshalb ablehnte.
Hatte es überhaupt irgendeine Bereitwilligkeit dazu gegeben, die
Streitfrage auf friedlichem Wege zu lösen, so hätte Washington durch
die Weiterverfolgung der Angebote nichts zu verlieren gehabt. Wenn sie
sich als Betrug herausstellen, befände sich Washington in einer sehr
starken Position. Sie waren aber wie sie dies schon im August sagten
darüber beunruhigt, dass dies "die Krise entschärfen" könnte.
Das sagt uns einiges, nämlich dass die U.S.A. und ihr britischer
Verbündeter die Streitfrage auf dem Wege der Gewalt oder zumindest auf
dem Wege, der Androhung von Gewalt gelöst sehen wollten. Das sagt Ihnen
einiges über die Neue Weltordnung. Was es ihnen sagt ist recht
offensichtlich. Ich werde darauf in einem Moment zurückkommen.
Die Absicht der U.S.A. und Großbritanniens zur Anwendung von Gewalt
wurde am Abend des 14.Januar stark dramatisiert. Wenn Sie dies genau
verfolgt haben, so werden sie sich an das was passierte erinnern. Am
Abend des 14.Januar machte Frankreich vor dem Sicherheitsrat einen
Friedensvorschlag. (Lassen sie mich die Nebenbemerkung machen, dass ich
persönlich davon überzeugt bin, dass das französische Angebot völlig
zynisch war. Ich denke sie haben es nur deshalb vorgeschlagen, weil sie
sich der Ablehnung der U.S.A. sicher sein konnten und es sie deshalb in
der arabischen Welt, wenn der Rauch sich gelegt hat, gut aussehen
lassen würde). Aber dies beiseite lassend legten sie ein
Friedensangebot vor. Das Angebot stand für" einen schnellen und
vollständigen Rückzug Iraks aus Kuwait unter Gegenleistung einer
Feststellung des Sicherheitsrates, dass es zu einer geeigneten Zeit in
der Zukunft (nicht näher festgelegt) nützlich sein könnte eine
internationale Konferenz über den Arabisch- Israelischen Konflikt
abzuhalten ".
Die U.S.A. und Großbritannien kündigten sofort an, dass sie sogar gegen
diese völlig bedeutungslose Geste ihr Veto einlegen würden. Das deutet
auf die Passion der beiden Kriegerstaaten hin sicherzustellen, dass es
keine friedliche Lösung geben würde. Der Irak hätte das Angebot wohl
sowieso nicht akzeptiert. Die U.S.A. und Großbritannien ließen aber
keine Chance zu. Wenn sie darüber nachdenken, so ist das Angebot
interessant und hilft ihnen dabei zu verstehen, was passiert. Der
Wortlaut des französischen Angebots wurde tatsächlich einem Wort laut
einer Entscheidung des Sicherheitsrats entnommen. Man wird dies nicht
in den Unterlagen finden, es aber verstehen, wenn man die Fakten
zusammenträgt. Es ist offen und unzweideutig. Am 20.Dezember
verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 681, die Israel für
die Deportation von Palästinensern und fortwährende
Menschenrechtsverletzungen verurteilte und Israel dazu aufrief, die
Genfer Konventionen zu befolgen. Die Resolution 681 hat nichts mit dem
Irak zu tun. Der Irak kommt nicht vor. Dies ist die Art von
Resolutionen, die wieder und wieder verabschiedet wurden. Es wird immer
wieder vorgebracht und gewöhnlich von den U.S.A. mit Veto belegt. Lange
vor der irakischen Invasion. No linkage to Iraq. [Linkage = Verbindung,
Verknüpfung; der Begriff wurde in den U.S.A. für die Verknüpfung des
Rückzugs der Iraker aus Kuwait mit der Lösung des arabisch-israelischen
Konflikts und der Forderung nach Verhandlungen über die
Massenvernichtungswaffen gebraucht. Wird im folgenden als Abmachung
bzw. Verknüpfung übersetzt und kursiv dargestellt; Anm. d. Übers.]
Der Sicherheitsrat versuchte in die Resolution einen Wortlaut
einzubringen der besagte, dass es hilfreich wäre zu angemessener Zeit
eine internationale Konferenz abzuhalten. Die U.S.A. aber wollten
diesen Passus nicht und kündigten ihr Veto an, wenn die Resolution
diesen Passus beinhalte. Deshalb wurde der Passus der Resolution als
Kodizill beigegeben. Am Ende kommt eine Feststellung des
Sicherheitsrats, die besagt, dass Mitglieder an die Nützlichkeit einer
internationalen Konferenz zu angemessener Zeit glauben. Die U.S.A.
konnten das nicht blockieren, weil sie kein Veto einlegen konnten. Der
Passus wurde der Resolution einfach beigefügt.
Was hier also tatsächlich passiert ist, ist dass Frankreich am
14.Januar eine auf eine Beilegung hinzielende Resolution einbrachte,
mit einer so gut wie bedeutungslosen Geste, der der Sicherheitsrat
bereits schon zugestimmt hatte. Die Geste wäre in der Resolution
enthalten gewesen, hätten die U.S.A. nicht ihr Veto eingelegt. Die
U.S.A. wollten in Übereinstimmung mit ihrem langen und profunden
Antagonismus gegenüber dem internationalen Recht 25 und der UN nicht
einmal diesen vagen Wortlaut in der Resolution belassen und waren am
14.Januar gewillt, einen Krieg zu führen, um jede Andeutung der
Möglichkeit einer internationalen Konferenz zu verhindern.
Das Belohnen von Aggressoren
Warum nehmen die U.S.A. diese Position ein? Es gibt darauf eine
offizielle Antwort, die immer wieder gegeben wird. Als Saddam Hussein
das am 2.Januar von hohen US-Beamten weitergegebene Angebot machte,
muss man sich daran erinnern, dass dies ein Angebot zum vollständigen
Rückzug in Verbindung mit den beiden herausragenden Streitfragen war.
Es gab eine Antwort der U.S.A. Die Antwort wurde im Brief George Bush's
an Saddam Hussein gegeben, der drei Tage später überreicht wurde- nicht
überreicht, sondern zur Zustellung vorgelegt. In diesem Brief, den man
in der New York Times lesen kann heißt es: "Prinzipien können nicht
durch Kompromisse in Frage gestellt werden". Das ist vollkommen
akkurat. Von der Logik her gesehen kann man Prinzipien nicht durch
Kompromisse in Frage stellen, denn sonst wären es keine Prinzipien. Sie
sind dann bloß Notbehelfe. Das ist soweit logisch, und Bush hat somit
bei dieser Sache einfach recht. Nehmen wir uns den zweiten Satz vor.
"Aggressoren dürfen nicht belohnt werden ". Jeder, der dies durchhalten
kann, darf sagen: "das ist mein Prinzip". Jemand, der dies aber dauernd
durch Kompromisse in Frage stellt, kann nicht behaupten: "das ist mein
Prinzip". Das ist wiederum logisch. Es ist eine unbestreitbare
Tatsache, dass die U.S.A. sicher einer der führenden, wenn nicht der
führende Übertreter dieses erklärten Prinzips sind. Die U.S.A. belohnen
fortlaufend Aggressoren, auch wenn sie es nicht selbst sind. Daraus
folgt, dass dies kein Prinzip ist, hinter dem die U.S.A. stehen. Auf
radikale Weise kein Prinzip für das die U.S.A. stehen. Demzufolge ist
der Umstand, dass Prinzipien nicht durch Kompromisse in Frage gestellt
werden können irrelevant, denn es sind keine Prinzipien da außer "Wir
machen das, wonach wir uns fühlen, wenn wir uns dazu entschließen ".
Das ist das Prinzip. Was uns übrigbleibt ist "es wird keine
Verhandlungen geben". Das heißt, keine Diplomatie. Es werden dafür
keine Gründe angegeben. Sicher gibt es Gründe, aber nicht die, die
aufgeführt werden. Die angegebenen Gründe können keiner eingehenden
Prüfung standhalten. Machen sie den Versuch und finden sie heraus, wer
in den Medien eine genaue Prüfung vorgenommen hat. Die Antwort lautet:
Niemand. Trotz der äußersten Absurdität dieser Position wurde sie durch
die Bank akzeptiert. Dies wiederum sagt einem einiges über die
intellektuelle Kultur, in der wir leben. Es sagt einem auch etwas über
die Neue Weltordnung.
Nebenbei bemerkt sollte ich erwähnen, dass ich aus anderen Gründen
viele Kontakte in der Dritten Welt habe. Ich korrespondiere dauernd mit
Leuten in der Dritten Welt und mit Besuchern. Ich hatte in den letzten
Wochen die Gelegenheit zu ein paar Konferenzen auf denen meist Leute
aus der Dritten Welt waren. Eine war in Mexiko, eine in London. Es ist
sehr verblüffend, dass fast niemand in der Dritten Welt diesen Krieg
erwartet hat. Ich bekam während des Krieges immer noch Briefe aus der
Dritten Welt, in denen mir Leute versichern, dass es keinen Krieg geben
wird (wegen der Verzögerung und derzeit, die Briefe aus der Dritten
Welt brauchen). Neue Flüchtlinge aus Kuwait haben mich besucht und mir
gesagt, dass sie aus Kuwait geflüchtet sind und nach Bagdad, dem
Libanon und nach Jordanien gingen. Sie sagten, dass sie bevor sie in
die U.S.A. kamen nicht erkannten, wie ernst die Lage war, weil dort
niemand glaubte, dass es einen Krieg geben würde. Das stimmt genau.
Soviel ich feststellen kann, war es in der Dritten Welt weit
verbreitete Vermutung, dass es ein Posieren war. Es kann keinen Krieg
geben.
Wenn man die Gründe dafür betrachtet, ist leicht zu sehen warum. Sie
hörten Saddam Hussein zu wie er darüber spricht, dass ihm das Herz
bricht angesichts des Leidens der Palästinenser, und dass er Israel's
Annexion der Golan-Höhen nicht ertragen kann und die Übernahme
Südlibanons, wegen seiner passionierten Bindung an das internationale
Recht, und sie lachen, genauso wie wir lachen, wenn wir solche Dinge
hören. Sie hören George Bush zu wie er sagt: "Aggressoren dürfen nicht
belohnt werden "; und wie er sagt, dass ihm das Herz bricht, wenn er
über das Leiden der Kuwaitis unter der irakischen Unterdrückung seit
dem 2.August hört. Sie hören es und sie lachen. Aus demselben Grund aus
dem sie über Saddam Hussein lachen. Was Leute in der Dritten Welt nicht
verstehen, ist dass wir im Westen nicht darüber lachen. Wir nehmen es
ernst. Sie haben niemals den tiefen totalitären Charakterzug der
westlichen Kultur verstanden, noch haben sie deren Grausamkeit und
Zynismus verstanden. Ich möchte sagen, dass dies ein Grund dafür ist,
dass wir die Erste und sie die Dritte Welt sind. Aus diesem Grund
konnten sie nicht glauben, dass dies ernst war. Nach allem sind Saddam
Husseins Argumente genauso gut wie die von George Bush. Wenn Saddam
Hussein Scud- Raketen auf Israel abschießt und sagt: "Nun, ich konnte
nicht länger warten. Wir haben es mit. Sanktionen versucht. Sie wurden
von den V.S.A. blockiert. Wir versuchten es mit Diplomatie. Dies wurde
von den U.S.A. und Israel abgelehnt. Jahr auf Jahr hält Israel den
Südlibanon besetzt, terrorisiert ihn, okkupiert die Golan-Höhen,
annektierte sie trotz der einmütigen Opposition der okkupierten
Gebiete. Ich konnte nicht mehr länger warten. Ich musste nun Gewalt
anwenden. Es ist eine gute Sache. Es gibt nichts, was man sonst machen
könnte," dann zitiert er einfach George Bush. Und seine Argumente sind
genauso gut, er hat sogar länger, viel länger gewartet. In der Dritten
Welt, wo die Menschen mehr oder weniger zivilisiert sind, wird das
verstanden. Im Westen wird es nicht verstanden Ich denke aber dass,
wenn man darüber nachdenkt man dazu in der Lage sein müsste, es zu
verstehen. Es ist offen und elementar. Dort nehmen sie an, dass dies
alles ein Deckmantel für etwas anderes sein muss. Deshalb hielten sie
es für sicher, dass es keinen Krieg geben würde. Sie lagen falsch, so
wie sie in allen Fällen falsch liegen, - und dies seit fünfhundert
Jahren.
Die Sache der Verknüpfung
Um auf die aktuelle Frage zurückzukommen: warum sind die U.S.A. so
unbeirrbar in der Frage der Blockierung von diplomatischen Bemühungen?
Betrachten sie sich zunächst einmal die beiden damit verbundenen
Streitfragen. Eine davon ist die internationale Konferenz über das
israelischpalästinensische Problem; die andere ist das Problem der
Massenvernichtungswaffen. Die U.S.A. argumentieren, dass wir keine
Abmachungen treffen können, weil wir Aggressoren nicht belohnen dürfen.
Wie ich schon sagte, es ist es nicht wert, sich damit lange
aufzuhalten. Die U.S.A. belohnen Aggressoren andauernd. Sofern es um
Abmachungen geht, tun sie es immer. Als die U.S.A schließlich
erkannten, dass Israel nicht dazu in der Lage wäre, im Libanon
auszuhalten, versuchte George Shultz 1983 eine Art von Übereinkunft zu
vermitteln, um Israel teilweise aus dem Libanon herauszubekommen. Nur
zum Teil, es war geplant, dass sie im Süden bleiben. Der Aggressor
wurde reichlich belohnt. Es gab da alle Arten von komplizierten
Abmachungen. Syrien wurde befohlen, dies und das zu tun etc. Und um
sogar noch einen viel extremeren Fall zu nehmen: In den späten 60er
Jahren deklarierte die UN die südafrikanische Okkupation Namibias für
illegal. Darauf folgte sofort eine Entscheidung des Weltgerichtshofs,
die die Okkupation ebenfalls für illegal erklärte. Es folgten zwanzig
Jahre der "stillen Diplomatie und der konstruktiven Geschäftigkeit",
wie es genannt wurde, während Südafrika das Gebiet beraubte, plünderte,
terrorisierte und es als Basis benutzte, um seine Nachbarn anzugreifen
beiläufig horrende Zölle nehmend. Die UN-Wirtschaftskommission zu
Afrika schätzt, dass sich allein die Kosten für die Nachbarn, ohne
Südafrika und Namibia, auf über 60 Milliarden Dollar und über 1,5
Millionen Menschenleben belaufen. Das versehrte George Bushs zartes
Gewissen nicht. Es gab schließlich nach zwanzig Jahren eine arrangierte
diplomatische Lösung mit enormen Belohnungen für den Aggressor, der den
Haupthafen, und viel Einfluss und Kontrolle zugesprochen bekam. Seine
Interessen wurden sorgfältig geschützt. Es gab dazu Abmachungen bis in
die Karibik, große globale Abmachungen. Dies ist ein extremer Fall,
aber alle diese Dinge reichen aus, um einem zu sagen, dass die
Opposition zu den Abmachungen und die Belohnung für den Aggressor kaum
als ein Grund für diese Dinge betrachtet werden können.
Des weiteren blockierten die U.S.A., wie ich schon vorher bemerkte,
jede Referenz auf eine internationale Konferenz in einer Resolution
über Israel, was nichts mit dem Irak zu tun hatte. Und sie haben
wirklich blockiert, nur um diesen Fall einmal festzunageln, die U.S.A.
haben diplomatische Bemühungen in diesen beiden Fällen lange vor der
irakischen Invasion Kuwaits blockiert. Sie hatten die Diplomatie bei
ihnen immerblockiert. Ich gab ihnen dafür bereits ein Beispiel. Die
UN-Resolution vom Dezember 1989- Stimmenverhältnis 151 zu 3 -verlangte
nach einer internationalen Konferenz zum israelisch-palästinensischen
Problem. Die U.S.A. stimmten dagegen. Als es im Sicherheitsrat zur
Sprache kam, haben sie ihr Veto dagegen eingelegt. Die U.S.A. haben
diesen Vorschlag seit zwanzig Jahren blockiert, und es gibt dafür einen
einfachen Grund. Wenn es zu einer internationalen Konferenz kommt,
werden die U.S.A. völlig isoliert sein. Wenn man irgendjemand auf der
internationalen Konferenz - außer den U.S.A., Israel und vielleicht der
Dominikanischen Republik-befragt, wird man den Druck für ein
internationales Abkommen spüren, wie es die U.S.A nicht wollen. Deshalb
wird es keine internationale Konferenzen geben. Es hat nichts mit
Abmachungen zu tun. Ich sollte erwähnen, dass es seit ungefähr einem
Jahr geringe Abweichungen davon gibt. Es ist möglich, dass die U.S.A.
nun eine sowjetisch- amerikanische- Konferenz, nicht eine
internationale akzeptieren werden. Grund dafür ist, trotz aller
Rhetorik, dass die. U.S.A. immer ziemlich Stark angenommen haben, die
Sowjetunion in der Tasche zu haben. Sie wissen, dass die Sowjetunion
seit Jahren versucht, versöhnlich zu sein und die Annahme ist heute
die, dass Gorbatschow einen Kopfstand machen und dazu den "Yankee
Doodle" singen würde, wenn sie ihn dazu aufforderten. Die Russen sind
also vielleicht ein geeigneter Partner zur Durchführung einer
Konferenz, was bedeutet, dass die U.S.A die ganze Sache zu 100% leiten
werden. Das war die Bedeutung der vagen Rhetorik, die sie gestern
vielleicht bemerkt haben. Das ging eine ganze Weile so. Eine
internationale Konferenz wird aber abgelehnt, weil Europa zu unabhängig
ist. Kissinger sprach es vor Jahren deutlich aus, in geheimen
Dokumenten, die später aufgrund des Freedom of lnformation Act
herausgegeben wurden. Ersagte, dass der Hauptzweck dieser Diplomatie
war, Europa und Japan aus der Diplomatie des Mittleren Ostens
herauszuhalten. Es ist unsere Rennbahn. Keine Europäer, keine Japaner.
Das gilt auch heute. Folglich gibt es keine internationale Konferenz.
Die U.S.A. verfolgen ihre eigene Taktik. Diese Taktik blockiert den
Frieden und hat dies für eine lange Zeit getan. Es hat nichts mit dem
Irak und nichts mit Abmachungen zu tun.
Massenvernichtungswaffen
Was ist mit der zweiten Streitfrage, den Massenvernichtungswaffen? Für
sie gilt dasselbe. Es gab wiederholt Angebote des Irak, seine
chemischen und biologischen Waffen, seine nichtkonventionellen Waffen
zu zerstören. Irak besitzt keine Nuklearwaffen. Die meisten dieser
Angebote wurden ignoriert. Wie dem auch sei, die Angebote Saddam
Husseins vor August wurden nicht ignoriert, er war noch Bush's Kumpel.
Sie wurden abgelehnt, denn damals wurde auf irakische Angebote
reagiert. Letzten April, vor der Invasion in Kuwait- erinnern Sie sich,
es handelte sich zu dieser Zeit immer noch um Gemäßigte und unsere
Freunde - unterbreitete der Irak dem Weißen Haus ein Angebot, alle
seine nichtkonventionellen Waffen, chemische und biologische, zu
zerstören. Die U.S.A. anerkannten dies offiziell und lehnten ab.
Offizieller Wortlaut der Ablehnung durch das State Department war, dass
die U.S.A. froh waren, Saddam Husseins Waffen zerstört zu sehen, aber
keine Verknüpfung mit "anderen Fragen oder Waffensystemen" wollten. Das
war die Redewendung. Es ist eine verblümte, staatsmännische Art, auf
Israels Nuklearwaffen hinzuweisen. Der Punkt ist, dass Saddam Hussein
nach Abrüstung verlangte. Abrüstung ist stets eine regionale Sache.
Abrüstung bedeutet nicht, dass sich ein Land dazu entschließt, seine
Waffen wegzuwerfen. Es schließt immer Abmachungen ein. Es sei denn, es
ist eine globale Frage, zweifellos aber auf regionaler Ebene. Das
irakische Angebot - ob ernsthaft oder nicht, können wir nicht
beurteilen, weil die U.S.A es kategorisch abgelehnt haben - lautete,
dass es in der Region eine generelle Abschaffung von
nichtkonventionellen (Massenvernichtungswaffen) Waffen geben sollte,
was bedeuten würde: israelische Nuklearwaffen. Die U.S.A. wollen das
nicht. Sie wollen, dass Israel seine nukleare Leistungsfähigkeit
behält. Israel ist ein Klientelstaat der U.S.A., der stark genug sein
sollte, die Region durch Macht zu dominieren und seine Nachbarn durch
seine grobgeschätzt zweihundert Nuklearwaffen inklusive wahrscheinlich
thermonukleare Waffen einzuschüchtern.
Die Phrase "andere Waffensysteme" ist eine versteckte Art, auf
Nuklearwaffen anzuspielen. Wenn man sorgfältig hinschaut, wird man
bemerken, dass kein US-Beamter jemals die Phrase "israelische
Nuklearwaffen" aussprechen darf. Es gibt dafür einen Grund, der in der
amerikanischen Gesetzgebung liegt. Die Gesetzgebung der späten 70er
Jahre, die das Nachtragsgesetz zum Foreign Aid Act und andere Gesetze
festlegte, verbietet jedwede US-Hilfe an Länder, die in die
Entwicklung, den Transport, etc., von Kernwaffen verwickelt sind. Wenn
man annimmt, dass Israel Kernwaffen besitzt - und es ist nicht einmal
ein Streitfall, das Pentagon hat es im Geheimen vor Jahren zugegeben -
bedeutet das, dass alle Hilfe für Israel ungefähr seit 1977 illegal
war. Das ist ziemlich trickreich, sogar für einen gesetzlosen Staat.
Deshalb darf man also die israelischen Kernwaffen nicht erwähnen. Hier
ist wieder entscheidend, dass die Medien und die Intellektuellen dieses
Spiel mitmachen. Niemand tanzt aus der Reihe bei dieser Sache. Zwei
oder drei Leute einschließlich mir vielleicht, im wesentlichen tut es
aber niemand. Ich betone nochmals, dass dies unzweideutig ist.
Betrachten Sie nur die Fakten. Deswegen wurde das irakische Angebot
abgelehnt. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass dies bedeutet, dass in diesen
beiden Streifragen, in den zwei berühmten miteinander verknüpften
Streitfragen, nämlich der nach einer internationalen Konferenz zum
israelisch-palästinensischen Konflikt und zu Massenvernichtungswaffen,
die U.S.A. weit vor der Invasion in Kuwait schon die diplomatische
Schiene blockiert hatten. Da die U.S.A. gegen eine Beilegung der
Streitfragen auf diplomatischem Wege sind, sind sie auch gegen eine
Verknüpfung derselben. So einfach ist das. Das ist die Erklärung dafür,
warum es keine Abmachungen geben darf. Weil es keine diplomatischen
Bemühungen in irgendwelchen Streitfragen geben darf. Der irakische
Rückzug aus Kuwait muss durch Gewalt erreicht werden. Die Fragen der
Massenvernichtungswaffen und des israelisch-palästinensischen Konflikts
dürfen nicht durch Diplomatie gelöst werden. Das ist die seit langem
bestehende US-Position. Die Position gegenüber dem Irak ist seit August
unerschütterlich. Deshalb kann man die Fragen nicht verknüpfen.
So weit ist es Fakt. Prüfen Sie es bitte nach, denn ich denke, wenn Sie
es tun, werden sie feststellen, dass es unbestreitbar stimmt. Lassen
Sie mich nun zur Spekulation übergehen. Es gibt eine analytische Frage:
Warum? Was passiert da? Hier muss man versuchen, eine Geschichte
zusammenzusetzen. Man kann nicht nur einfach die Fakten auflisten. Ich
denke aber, dass wir wissen sollten, was vor sich geht, wenn wir an
unserem eigenen Land interessiert sind. Die Frage lautet: Warum
bestehen die U.S.A. und England, praktisch allein, zusammen mit den
Familienherrschaften am Golf auf eine Anwendung von Gewalt? Und eine
weitere Frage: Warum sind die U.S.A. so energisch in der Blockierung
einer Friedenslösung im israelisch-arabischen Konflikt? Dafür ist nicht
genug Zeit. Lassen Sie uns einfach die knappe Frage betrachten: Warum
stehen die U.S.A. und England praktisch alleine in ihrem Beharren auf
Gewalt ? Die augenblicklich angebotenen Antworten lohnen nicht der
Diskussion, und es wurden in Wirklichkeit auch gar keine angeboten. Ich
hoffe, dass dies durch die vorhergegangenen Ausführungen klar geworden
ist. Wir müssen nach Antworten suchen. Wie beantwortet man eine Frage
wie diese? Es sind zwei, vom Rest der Welt so ziemlich abgetrennte
Länder beteiligt. Wenn man die Frage beantworten will, so fragt man
sich, was bei diesen zwei Ländern so anders ist? Das ist nur rational.
Zwei Länder verfolgen ein einsames Ziel. Für Jahre haben sie die
Diplomatie im allgemeinen blockiert, verfolgen aber jetzt einen
einsamen Kurs. Was ist also an diesen zwei Ländern so besonderes?
Anglo- Amerikanische Ölpolitik
Bei Betrachtung der Frage kann man recht schnell Antworten finden. Eine
ist historisch bedingt, eine hat mit der berühmten Neuen Weltordnung zu
tun. Lassen Sie mich beide erwähnen, denn sie sind sehr eng miteinander
verknüpft. Die historische Antwort liegt darin, dass die U.S.A. und
England die beiden Länder sind, die die imperiale Besiedlung in der
Region begründeten. England und Frankreich waren bis zum Zweiten
Weltkrieg die großen Imperialmächte. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind es
die U.S. A. und England, mit den U.S.A. als Führung. Es gibt eine
frühere Geschichte. Wir denken nicht gerne daran, aber die Menschen in
der Dritten Welt denken wohl daran. England übernahm um den Ersten
Weltkrieg herum die Macht im Irak als das Ottomanische Reich am
kollabieren war. England war zu dieser Zeit übergroß. Das Empire
expandierte, die britische Macht aber schrumpfte. Es war durch den
Ersten Weltkrieg geschwächt und hatte nicht die Truppen, um das Reich
darniederzuhalten. Als Resultat dessen unternahmen sie das, was zur
Neige gehende Reiche im allgemeinen machen: sie wurden gewalttätiger,
versuchten durch die verstärkte Anwendung von Gewalt die fehlende
Truppenstärke zu kompensieren, um die Unterdrückung aufrechtzuerhalten.
Zu der Zeit fand das Massaker von Amritsar statt, bei dem britische
Truppen vierhundert wehrlose Protestierer niedermähten. Die internen
Aufzeichnungen sind heute öffentlich zugänglich. Dies fand vor langer
Zeit statt, so dass die Aufzeichnungen der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht wurden. Sie sind entlarvend. Da sie nicht genug Truppen hatten,
um den Irak zu kontrollieren, beschlossen sie, Bombenterror zu
benutzen. Die Briten waren Pioniere im Bombenterror gegen die
Zivilbevölkerung, zur Kompensation ihrer geringen Truppenstärke. Wenn
Sie die Aufzeichnungen ansehen, so sind sie sehr klar. Sie sagen, dass
wir Dörfer bombardieren, Frauen und Kinder töten müssen, um sie unter
Kontrolle zu halten. Bombenterror wurde sogar dazu benutzt, Stämme dazu
zu zwingen, ihre Steuern zu bezahlen. Sie hatten einfach wenige Truppen
um umherzuziehen. Tatsächlich gingen sie noch weiter. Das RAF-Kommando
Mittlerer Osten ersuchte 1920 die Kriegskanzlei in London nach einer
Erlaubnis, chemische Waffen gegen "widerspenstige Araber als
Experiment" zu benutzen. Das war im Irak. Es war kurz nach dem Ersten
Weltkrieg. "Chemische Waffen" bedeuten Giftgas. Chemische Waffen wurden
zu der Zeit als der allerschlimmste Horror betrachtet, so wie
Kernwaffen nach Hiroshima und Nagasaki. Die RAF fragte also nach einer
Erlaubnis, im Experiment gegen widerspenstige Araber, Giftgas zu
verwenden. Der Antrag ging an die Kriegskanzlei. Der zuständige Beamte
sagte, er lehne die "Zimperlichkeit " derer ab, die gegen Giftgas wären
und sagte weiter "Ich befürworte es, Giftgas gegen unzivilisierte
Stämme einzusetzen". Des weiteren sagte er: "Giftgas soll zu
anschaulichem Terrorfähren. Es ist einfach die Anwendung der modernen
Wissenschaft auf die Kriegsführung, und wir können uns der Anwendung
von Waffen nicht versagen, die verwendet werden könnten, die Aufstände
niederzuschlagen ". Dieser Gentleman war Winston Churchill, einer der
Helden des Westens. Wir mögen uns nicht gerne daran erinnern, was aber
nicht heißt, dass andere Leute sich nicht erinnern.
Lassen Sie uns zur Nachkriegszeit zurückkehren. Nach dem Zweiten
Weltkrieg etablierten die U.S.A. und England Protektorate in der
Region. Sie folgten der Position, der Lord Curzon und andere britische
Führer des Königreichs den Weg geebnet hatten. Die Idee war, wie es
Lord Curzon in den 20er Jahren ausdrückte, dass es zu kostspielig wäre,
die Länder direkt zu übernehmen. Es fehlte an Macht. Deshalb sollte man
ihnen nominelle Unabhängigkeit geben, um selbst hinter einer
"Arabischen Fassade" zu regieren. Er sagte: "Wir sollten die Absorption
der Länder hinter einem Schleier der Fiktionen verkleiden", so wie
"Pufferstaat", oder "Einflusssphäre". Das ist die moderne Version von
Kolonialismus. Genau das wurde gemacht. Es wurde eine arabische Fassade
erachtet um die Ölfelder zu beaufsichtigen. Hauptinteresse der U.S.A.
war die Ölproduktion am Golf. Es wurde vom State Department als"
gewaltige strategische Reserve, als der größte materielle Preis der
Weltgeschichte "angesehen. Diesen wollten sie nicht opfern. Es wurde
außerdem erkannt, dass wer auch immer dort die Kontrolle hätte, eine
wie es George Kennan zu derzeit nannte" Vetomacht" über die Alliierten,
über Europa und Japan haben würde, so dass es sehr wichtig wäre, diese
nicht aus der Hand zu geben. Es gab eine Menge Konflikte zwischen den
Briten und den U.S.A., die aber zugunsten der U.S.A. beigelegt wurden.
Die U.S.A. waren bei weitem die stärkere Macht. Frankreich wurde
rausgeschmissen, sie waren zu schwach um teilzuhaben. Es blieb eine
anglo- amerikanische Eigentumswohnung mit dem Betreiber U.S.A. und
ihrem britischen "Adjutanten", wie es ein hoher Beamter ausdrückte
(eine natürlich private Äußerung vor Dean Acheson). Was er eigentlich
sage war folgendes: "Die Briten dürfen unser Adjutant sein, das
elegante Wort heißt Partner ". Die Briten sollten das Wort "Partner"
hören. Die Bezeichnung "Adjutant" war der internen Diskussion zugedacht.
Der erste Bruch in dieser anglo- amerikanischen Behausung fand 1958
statt, es gab eine nationalistische Revolution irakischer Offiziere,
die eine dieser arabischen Fassaden, einen abhängigen Klientelstaat
beseitigte. Die U.S.A. und England waren natürlich sehr verärgert. Irak
besitzt eine Menge Öl. Die sofortige öffentliche Reaktion bestand am
nächsten Tag in der Entsendung der US- Marines nach dem Libanon.
Eisenhower autorisierte die Verwendung von "jedweden Waffen im Falle,
dass sich feindliche Mächte in Richtung Kuwait bewegen ". Das wird von
jedermann als Autorisation zur Verwendung von Kernwaffen verstanden.
Die U.S.A. erlaubten also offensichtlich den Einsatz von Kernwaffen für
den Fall einer Ausdehnung des Konflikts auf Kuwait. Zu dieser Zeit hieß
der Hitler Hamed General Abdul Nasser, ein säkularer Nationalist, und
sie hatten Angst, dass der arabische Nationalismus sich ausbreiten und
diese Fassadenregierungen stürzen würde. Sie waren darüber besorgt,
dass es als nächstes eine nationale Revolution in Kuwait geben könnte.
Wir haben heute die britischen und amerikanischen Geheimdokumente
dieser Zeitspanne. Sie sind erhältlich und sehr entlarvend. Der
britische Außenminister flog sofort zu Konsultationen nach Washington.
Sie beschlossen, Kuwait die nominelle Unabhängigkeit nach dem üblichen
Lord Curzon- Verfahren zu garantieren: Errichtung einer arabischen
Fassade über das, was vorher eine effektive Kolonie war, um der
Bedrohung durch eine Revolution zu begegnen, sich aber nichtsdestotrotz
das Recht einer Intervention vorzubehalten oder, wie es der britische
Außenminister ausdrückte:" unbarmherzige Intervention", wenn
irgendetwas schief geht, egal wer in Kuwait verwickelt ist.. Die U.S.A.
reservierten sich dasselbe Recht woanders auf der Halbinsel, die beiden
Imperialmächte legten heimlich fest, -es ist jetzt aber öffentlich,
wenn Sie es lesen wollen - dass die 0lfelder in anglo- amerikanischen
Händen verbleiben müssten, und dass der Nationale Sicherheitsausschuß
sich dazu entschlossen hat, auf eine Anwendung von Gewalt in
Zusammenarbeit mit dem United Kingdom wenn nötig vorbereitet zu sein,
um die US-Interessen in der Region zu wahren. Sie erklärten diese
Gründe auch, und es lohnt sich, die Gründe anzuhören. Die U.S.A.
brauchten das Öl nicht. Sie verwendeten es nicht. Die U.S.A. waren zu
dieser Zeit der Haupt-Ölexporteur. Großbritannien benötigte es
allerdings schon zu einem gewissen Ausmaß, was sie aber wirklich
brauchten, waren die Profite. Das ist die entscheidende Sache, die vor
sich geht. Wenn Leute sagen, "Kein Blut für Öl ", so sollten sie
eigentlich sagen, "kein Blut für Ölprofite". Ölproduktion ist äußerst
profitabel. Es ist eine der Hauptkapitalquellen auf der Welt. Die
U.S.A. und England wollen sie. Sie sind da sehr deutlich, was
insbesondere für das England der 50er Jahre gilt. Die britische
Wirtschaft befand sich in der Depression. Das Sterlinggebiet war nicht
konkurrenzfähig. Die beiden Imperialmächte stimmen darin überein, dass
Kuwait seine Investitionen zur Stützung von Sterling, des United
Kingdom und dessen Systems verwenden müsse. In den frühen 70em galten
diese Überlegungen zunehmend auch für die U.S.A. Es gibt dazu keine
internen Aufzeichnungen, so dass wir es uns aus den Ereignissen
zusammensetzen müssen. In den frühen 70ern litten die U.S.A. an
denselben Schwierigkeiten wie England in den 50ern. Die U.S.A. gingen
merklich unter gegenüber ihren Hauptfeinden in der Welt, namentlich dem
von Deutschland angeführten Europa und Japan. Das war zu dieser Zeit
klar. Die Russen waren eine hauptsächlich rhetorische Bedrohung, damit
man im eigenen Land Unterstützung gewinnen konnte. Wirklich besorgt
waren sie über Europa und Japan. Es wurde also an diesem Punkt nötig,
dass die Ölprofite nicht nur der britischen, sondern auch der
amerikanischen Ökonomie zuflossen. Das machten sie auch. Das passiert
bis heute. Es ist einer der Gründe warum, im Gegensatz zu dem, was eine
Menge Leute sagen, die U.S.A. und England einen Anstieg der Ölpreise
oft favorisierten. Einen Anstieg der Preise, nicht einen Fall. Es ist
unterschiedlich, ein kompliziertes Geschäft, es erweist sich aber oft
als hilfreich für die US- und britische Wirtschaft, einerseits aus dem
Grunde, weil die U.S.A. und Großbritannien zur Produktion von Öl hohe
Kosten aufwenden müssen. Das Alaska- und Nordseeöl ist teuer, und man
kann daraus nur dann einen Profit 35 erzielen, wenn die Preise hoch
genug gehen. Auch deshalb, weil die Profite der Ölproduktion
tendenziell zur amerikanischen und britischen Wirtschaft zurück
fliessen. Derzeit gehen sie zum Schatzamt, zu US-Finanzinstitutionen,
Bauunternehmen, dem Heer, etc. Tatsächlich verbesserte sich die US
Handelsbilanz mit Saudi Arabien nach dem gewaltigen Preisanstieg 1973
zugunsten der U.S.A. Dasselbe gilt für Großbritannien.
Eine Schuldnerwirtschaft
Dieses sind entscheidende Faktoren und sie bleiben so bestehen. Nach
der Reagan-Regierung, welche der US-Wirtschaft einen ernsthaften Schlag
verpasste, - es wird eine lange Zeit benötigen, diese Kosten zu
begleichen, sie sind damit noch nicht durch, werden es aber sein - ist
die US-Ökonomie eine Schuldner-Ökonomie, die verzweifelt Kapital
braucht. Sie geht unter im Vergleich zu ihren Rivalen. Es gibt in
Wirklichkeit in der Welt nur drei Quellen des Kapitals, die man
anzapfen kann: Deutschland, Japan und die Ölproduzenten im Golf.
Deutschland und Japan werden keinen Platz machen, um England und die
U.S.A. zu stützen. Sie sind Rivalen. Die Ölproduzenten werden dies aber
tun, solange sie arabische Fassaden der U S A. und England sind. Das
macht das spezielle Interesse der U.S.A. und England in der Region aus,
und es bleibt so der Fall. Es geht an der Wall Street ein Witz um, der
es trifft: Warum brauchen die U.S.A. und Kuwait einander? Antwort
Kuwait ist ein Bankensystem ohne Land, und die U.S.A. sind ein Land
ohne ein Bankensystem. Es ist mehr oder weniger zutreffend. Die S &
L's (Sparkassen. Anm. d. Übers.) sind ein kleiner Teil des Problems.
Diese sind Banken an der Straßenecke. Wenn es um die Hauptbank in New
England und andere wichtige finanzielle Institutionen geht, braucht man
einen großen Kapitalstrom- und darum genau geht es. Das beantwortet
aber immer noch nicht die nächste Frage: Warum bestehen die U.S A. und
England auf Gewalt? Warum sind sie nicht Willens, die Streitfrage auf
diplomatischem Wege beizulegen? Wir sollten versuchen, diese Frage zu I
beantworten. Wir müssen wiederum fragen, was an diesen beiden Ländern
spezielles ist, was uns vermuten lässt, dass sie das Gesetz der Gewalt
gegenüber der Diplomatie bevorzugen? Hier spekulieren wir wieder, ich
denke aber, dass Sie es herausfinden können, wenn Sie sich die
gegenwärtige Weltordnung betrachten. Nehmen wir als erstes
Großbritannien. Lassen Sie uns zunächst herausstellen, dass sich weder
die U.S.A. noch England auf dem diplomatischen Terrain behaupten
können. Die Taktik, die sie verfolgen, ist insbesondere in der Dritten
Welt extrem unpopulär. Im Moment gärt es von Marokko bis Indonesien.
Der Antagonismus gegenüber den U.S.A. und Großbritannien ist so stark,
dass es sogar in überschwengliche Unterstützung für Saddam Hussei

